Ein Appell.

„Wir sind das Volk“ – Ein Satz, den man in letzter Zeit oft liest und hört, sei es in den Zeitungen, in Videos oder in Diskussionen mit Menschen verschiedenster Ansichten. Sie sind sich alle einig, sie sind das Volk, sie sind die Mehrheit und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt.

Ich bin anderer Meinung (Große Überraschung, ich weiß.)
Aber so ist es nun mal in einer Demokratie, Menschen verschiedenster Ansichten müssen sich irgendwie einigen, diskutieren und sich miteinander austauschen.
Diese Diskussionen sind nicht immer sinnvoll und meistens kosten sie viel Zeit und Energie, Dinge, die viele Menschen in dieser Zeit nicht wirklich haben. Trotzdem ist es wichtig, sich einzusetzen, nicht einfach zu schweigen, weil es bequemer ist, weil man sich keine Feinde machen oder es sich mit dem Kollegen / Freund / Bekannten nicht verscherzen möchte. Aber wir können nicht mehr einfach still sitzen bleiben, während europäische Werte durch rechte Parolen mit Füßen getreten werden und unsere Gesellschaft, unsere Sprache mehr und mehr verroht und menschenverachtende Aussagen wieder salonfähig gemacht werden.

Es ist Zeit, aufzustehen. Sich einzusetzen für die Werte, die uns, die Deutschland und Europa ausmachen. Mitmenschlichkeit, Solidarität und unsere Fähigkeit, Kompromisse zu finden. Es ist Zeit, die Straßen nicht länger denen zu überlassen, die schreien „Wir sind das Volk“, denn das sind sie nicht.
Deutschland ist bunt, laut, vielfältig und nicht immer einer Meinung.

Wir nicht zulassen, dass eine Minderheit sich benimmt, als wäre sie die Mehrheit, dass eine kleine Gruppe von Menschen die gesellschaftliche Debatte bestimmt und alles anzweifelt, was nicht ihrem Weltbild entspricht. Es ist Zeit, aufzustehen.

Achtung, linksgrünversifft.

Wenn ich an Deutschland denke, dann fallen mir immer zuerst unsere Werte ein, Werte auf die ich stolz bin und die ich mittlerweile jeden Tag aufs Neue verteidigen muss. Offenheit, Toleranz, Akzeptanz und Menschlichkeit.

Dinge, die eigentlich einmal selbstverständlich waren, oder es zumindest einmal sein sollten. Und dann, dann lese ich mir die Artikel über Chemnitz durch, über den neuesten Aufmarsch der Nazis, der nun wirklich niemanden abgesehen von der sächsischen Polizei überrascht hat. Über einen wütenden Mob, der Menschen gejagt hat, die nicht ihrem Bild eines „Deutschen“ entsprochen haben, über Medien, die die Ausschreitungen und Jagdszenen als „immigrationskritische Demonstrationen“ bezeichnet haben und die ganze Situation als ein Gegenüberstehen von „extremen Lagern“.

Nein. Nein, es sind keine „extremen“ Lager, es ist nicht extrem, gegen Ausländerhass, gegen Rassismus, gegen Nazis zu sein, es ist normal. Wer diese Demonstrationen als „linke und rechte“ Aufmärsche verharmlost, der macht es normal, Dinge wie „Deutschland den Deutschen“ zu skandieren und ganz offen den Hitlergruß zu zeigen, sowie Jagd auf „ausländisch Aussehende“ zu machen.

Wenn Journalisten sich aus Angst vor den rechten Demonstranten nicht mehr trauen, ihre Arbeit zu machen, der gleiche Sender dann aber nur von „rechten und linken Demonstrationen“ berichtet, dann ist auch dort etwas schief gelaufen. Ich komme nicht um das Gefühl herum, dass nicht nur unsere Politik, sondern auch unsere Polizei und Presse auf dem rechten Auge blind ist.

Chemnitz, diese Ausschreitungen, diese Hetzjagd ist ein direktes Resultat aus dem ewigen „Das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen“ und den immer weiter rechtsaußen positionierten Politikern, die in Talkshows eingeladen werden und ganz ungestraft ihre Theorien von „alimentierten Messerstechern“ – so wie Alice Weidel im Bundestag – verbreiten dürfen.

Dinge, die sich gut anfühlen.

Wisst ihr, was sich gut anfühlt?
Wenn man nicht nur für sich selbst einen gesunden Lebensstil lebt, Sport macht, gesund isst etc, sondern auch, wenn man das mit anderen teilt und andere Menschen dazu inspiriert, Dinge in ihrem Leben zu ändern.

Mittlerweile vergeht fast keine Woche, in der ich nicht auf meinem Instagram einen lieben Kommentar bekomme, in der mir eine Person sagt, dass ich sie motiviert habe, ich bekomme etliche DMs mit der bitte nach Rezepten und Tipps für ihren ersten Lauf, mit der Frage, wie man sich motiviert, so früh aufzustehen.

Ich weiß nicht, wie oft ich seltsam dafür angeschaut werde oder jemand verständnislos nachfragt, warum ich das alles im Internet teile, warum ich mir die Mühe mache und mich so präsentiere. Vielleicht nerve ich einige Menschen sogar damit, jemand hat mir mal gesagt, er könne jetzt gar nicht mehr ohne schlechtes Gewissen auf der Couch rumliegen, wenn er meine Instastories sieht und bemerkt, wie viel Sport ich schon wieder mache.

Für mich sind all diese Reaktionen, all dieses Feedback so etwas tolles und es zeigt mir dass es sich lohnt, Dinge zu teilen, von denen man begeistert ist. Es lohnt sich Leute, also fangt damit an.

Wenn ihr nur eine einzige Person davon überzeugen könnt, etwas neues auszuprobieren, dann hat es sich schon gelohnt.

Dieses Mal aber wirklich

Sommerferien – Ein Neuanfang, wie immer

Jedes Jahr aufs Neue wenn die Sommerferien beginnen, nehme ich mir 1000 Dinge vor, die auf jeden Fall in diesem Sommer gemacht werden müssen, auch wenn ich am Ende meistens nicht einmal die Hälfte davon tatsächlich mache.

Gut, diese Ferien haben eher schlecht begonnen, gleich nachdem ich meine obligatorische Liste geschrieben habe, lag ich einen ganzen Tag krank im Bett, aber jetzt, endlich gesund,  bin ich wieder topmotiviert, die Dinge endlich anzupacken. Immerhin, es sind die letzten Sommerferien meines Lebens, danach kommt schon das Abitur und dann gibt es auch nur noch Semesterferien.

Letzte Gelegenheiten sind die besten Möglichkeiten, Dinge endlich einmal wirklich durchzuziehen – schließlich ist es tatsächlich die letzte Chance, es endlich einmal zu schaffen.

Ein paar Dinge, die ich euch mitgeben will, die mir diesen Sommer helfen, all das zu tun, was ich mir vorgenommen habe:

  1. Listen schreiben
    Es ist so viel einfacher, Ziele zu erfüllen, wenn man sie schwarz auf weiß vor sich sieht und man muss sich schon einmal damit befassen, was man überhaupt mit seiner Zeit anfangen will. 
  2. Verfolge täglich deine Ziele
    Wie du das machst ist eigentlich egal, ich mache es immer in Form eines Trackers, in dem ich jeden Tag anstreiche, welche meiner vorgenommenen Tätigkeiten ich erledigt habe
  3. Früh aufstehen
    Stell dir deinen Wecker so weit entfernt vom Bett wie nur möglich – und wehe du legst dich wieder hin, sobald du einmal wach bist!
  4. Erinnere dich daran, warum du eine Sache tun möchtest
    Ist es, weil du endlich wieder gesünder leben möchtest? Weil du nächsten Sommer nach Frankreich fahren willst und bis dahin endlich die Sprache beherrschen möchtest? Vollkommen egal, wie doof der Grund klingt, hauptsache er motiviert dich.
  5. Glaub an dich
    Wenn du nicht an deinen Erfolg glaubst, wer dann?

Genug mit dem motivierenden Gerede, ich habe heute noch ein paar Dinge zu tun, schließlich habe ich nur noch diese Sommerferien Zeit, Swift zu lernen, für den Halbmarathon zu trainieren, zu zeichnen und auf Berge zu klettern.

Die Andere

// Der dritte Teil; hier gehts zum Ersten. //

Sie liebte ihren Bruder, auch wenn sie das vor ihren Freunden niemals zugegeben hätte. Alles, was Familie betraf, wurde dort mit dem Adjektiv „uncool“ versehen, denn niemand ihrer Freunde hatte ein besonders gutes Verhältnis mit ihren Eltern. Sie mochte ihren Freundeskreis, wirklich, schließlich hatte sie auch lange genug dafür gekämpft, ein Teil davon zu werden. Früher, da war sie das uncoole Mädchen gewesen, mit dem niemand befreundet hatte sein wollen. Sie hatte sich oft selbst deswegen fertiggemacht, sie dachte es läge an ihrem Charakter, an ihrer Art, dass niemand sie als Freundin haben wollte. Hätte sie doch damals schon gewusst, wie oberflächlich die Welt tatsächlich war. Die gesamte Grundschule über saß sie jede Pause allein unter einem Baum und vergrub ihre Nase in einem Buch, was ihr den Spitznamen „Bücherwurm“ eingebracht hatte. Nach einer Weile versuchte sie nicht einmal mehr, bei den Spielen der anderen Kinder mitzuspielen, es wollte sie sowieso niemand dabei haben. Und dann endlich, als sie zwölf geworden war, hatte sie die Schule gewechselt und es hatte sich alles geändert. Den Sommer hatte sie damit verbracht, sich neue Klamotten zu kaufen, alle „Mädchenzeitschriften“ die sie finden konnte, zu lesen und zu lernen, wie man „cool“ war. Und dann, nach dem Sommer wurde es irgendwie anders. Einerseits freute sie sich darüber, endlich dazuzugehören, Freunde zu haben, andererseits fühlte es sich wie ein Verrat an sich selbst an. Sie las nicht mehr jeden Tag unter diesem einen Baum im Park neben der Schule, nur manchmal blickte sie ihn im Vorbeigehen ein wenig zu lange an. Mittlerweile saßen andere Personen dort, je nach Tag und Uhrzeit jemand anderes, es fühlte sich an, als wäre ihr ihr Platz weggenommen worden. Im Verlauf der Jahre beobachtete sie, wie jemand anderes ihren Platz zu dem ihren machte. Es war ein eher kleines, zierliches Mädchen, das meistens in irgendein Buch versunken schien, doch so genau wusste sie es auch wieder nicht. Sie wollte niemanden Fremden anstarren und so blieb sie nur dann dort stehen, in Gedanken versunken, wenn niemand anderes dort saß – Zumindest so lange, bis einer ihrer Freunde nach ihr rief, und sie schnell weiterging, den bitteren Geschmack der Erinnerungen an die Zeit, in der der Platz unter der alten Eiche noch der ihrer gewesen war, unterdrückend. Hin und wieder, wenn es sie aus irgendeinem Grund auf den Dachboden verschlug, kam es ihr so vor, als würden die alten Kisten mit ihren Büchern sie vorwurfsvoll anstarren. Die Erinnerungen an ihre Kindheit und an die anderen Welten, in die sie sich damals flüchten konnte, überkamen sie jedes Mal, wenn sie dort oben war. Sie hatte die riesigen Bücherregale gegen kleine Regalbretter mit dekorativen Gegenständen eingetauscht. Manchmal hatte sie das Gefühl, niemand ihrer zahlreichen Freunde kannte sie tatsächlich, sie wussten ja doch nur das, was sie bereit war, ihnen zu zeigen. Sie wussten alle nichts davon, wer sie unter der Maske war, die sie jeden Morgen aus Makeup und Haargel neu formte. Das Einzige, was sie nicht komplett verloren hatte, war ihr Style, der sich auch durch die hundertste Zeitschrift nicht an Trends und an Dinge, die „typisch“ für Mädchen waren, anpassen hatte lassen. Am liebsten trug sie lange, dunkle Hosen, flache Schuhe und ein Hemd oder eine schlichte Bluse, sie konnte nichts mit all den Details anfangen, die die meisten Frauenklamotten zierten. Sie war eine recht unauffällige Person, die genau dadurch, dass sie sich nicht immer ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellte, auffiel. Es war nicht allzu schwer, unauffällig zu bleiben, da alle Personen um sie herum gleich waren, nach Aufmerksamkeit lechzten und mit allen Mitteln versuchten, diese zu bekommen. Es war egal, welche Art von Aufmerksamkeit; Bewunderung, Abneigung oder stilles Verurteilen, Hauptsache, sie wurden bemerkt. Sie ließ sich einfach mit ihren Freunden treiben, verbrachte Nachmittage an der Spree oder auf den Dächern von Hochhäusern, illegal oder legal, sie machte eigentlich alles mit, einfach nur, um dazuzugehören. Ihre Freunde waren wie ihr zweites Zuhause, auch wenn sie nicht genau wusste, wo das erste war.

Er

// Der zweite Teil; zum ersten geht es hier. //

Er beobachtete sie oft von fern und sah einmal, wie sie eine dieser beschriebenen Seiten mit verzerrtem Gesicht ausriss und wegwarf, und, rein zufällig natürlich, ging er später an eben jenem Mülleimer vorbei und fischte die liniierte und eng beschriebene Seite heraus. Er war zwar erst zwölf Jahre alt und doch verstand er mehr von der Welt um ihn herum, als den meisten Erwachsenen lieb war. Zum Beispiel wusste er, dass jegliche Art von Imperfektion in dieser Gesellschaft nicht einfach übersehen wurde, sondern mit allen Mitteln wegtherapiert wurde. Für seine LehrerInnen und nicht zuletzt auch seine Eltern war es nicht akzeptabel, dass er einfach nicht so schnell las, wie andere Kinder in seinem Alter und noch weniger, dass er so still war, nicht so viel draußen herumrannte, wie andere Kinder. Wie er diesen Begriff hasste, die „anderen Kinder“. Eigentlich mochte er die Kinder in seinem Alter, auch wenn viele von ihnen nicht allzu nett zu ihm waren. Trotzdem hatte er einen Freund, er war klein, ein wenig rundlicher als „andere Kinder“ und trug eine kleine, kreisrunde Brille, die ihn immer ein wenig an Harry Potter erinnerte. Samuel, so hieß er, gefiel dieser Spitzname, schließlich war Harry Potter eine seiner Lieblingsbuchserien und Kindheitshelden. Früher, als sie kleiner gewesen waren, spielten sie oft Szenen aus den Büchern nach, wobei er selbst meist die Rolle von Hermine eingenommen hatte, während Samuel Harry spielte. Samuel sagte, das passte einfach, wegen der Brille und überhaupt. Er traf sich trotzdem nicht oft mit Samuel, er war eigentlich ganz glücklich damit, allein zu sein. 

Seine Eltern sagten, er sollte mehr rausgehen, fröhlicher sein, mehr lesen, mehr reden, mehr von allem einfach. Hauptsache er war weniger ruhig, las besser, sprach mehr, machte einfach alles besser. Es war ihnen unheimlich, dass er oft stundenlang einfach nur dasitzen konnte, und in die Luft starrte. Um ehrlich zu sein starrte er nicht einfach nur in die Luft, er beobachtete seine Umgebung, die Grashalme, die sich so synchron im Wind bewegten, die Menschen, die scheinbar alle durch ihr Leben hetzten, zumindest waren die Wenigsten in einem eher langsameren Gehtempo unterwegs und wenn, dann machten sie unglückliche Gesichter. Unter all den Dingen und Personen, die er Tag für Tag beobachtete, fiel sie ihm immer wieder auf. Nicht durch ihr außergewöhnliches Äußeres, eher durch ihre scheinbare Bewegungslosigkeit, in einer Welt in der alles so schnell ging. Während Andere durch die Gegend liefen, fuhren oder gingen, saß sie einfach immer weiter nur da, das Einzige, das sich bewegte, war ihr mitternachtsblauer Füller, der das Buch nach und nach mit tiefschwarzen Buchstaben füllte, eine Seite nach der anderen. Bis auf heute, heute war es anders gewesen. Heute riss sie beinahe so viele Seiten aus, wie sie beschrieben hatte und er konnte der Versuchung einfach nicht widerstehen. Nachdem sie den Park verlassen hatte, ging er an dem Mülleimer vorbei, in welchen sie die eng beschriebenen Seiten geworfen hatte. Als er nach seinem Tauchgang in den Abfallkübel wieder auftauchte, er musste sich den Weg an mehreren Kaffeebechern und einer Bananenschale vorbei bahnen, merkte er, dass er angestarrt wurde. Auf der anderen Seite des Parks stand eine Gruppe Kinder in seinem Alter, die sich gegenseitig anstießen, auf ihn zeigten und dabei lachten. Das Blut stieg ihm ins Gesicht, doch er konnte nichts tun, als einfach dazustehen. Hinter ihm ertönte eine Stimme: „Max“ und dann nochmal, diesmal aus geringerer Entfernung: „Max, was machst du da?“ Die Blätter noch immer fest umklammert, drehte er sich zu seiner Schwester um. „N-nichts.“ und dann „Können wir heimgehen?“ Sie blickte ihn misstrauisch an, fragte aber nicht noch einmal nach, was er so fest umklammert hielt, dass seine Knöchel ganz weiß wurden. Auch als sie zuhause angekommen waren, betrachtete er die Blätter noch nicht, sondern glättete zuerst sorgfältig das Papier, faltete sie danach ordentlich zusammen und legte sie in seine kleine Schatztruhe, die Amalia ihm zu seinem sechsten Geburtstag geschenkt hatte. „Für deine Schätze“ hatte sie damals gesagt, und ihm die Haare zerstrubbelt. Obwohl er es hasste, wenn jemand das tat, liebte er seine Schwester abgöttisch. Sie war die Einzige, die nicht versuchte ihn zu ändern, sondern ihn einfach annahm, wie er war. 

In den folgenden Wochen nahm er die Blätter oft aus der kleinen Kiste heraus, doch er faltete sie nie auseinander, um zu erfahren, was sie wohl beinhalteten. Er traute sich lange nicht, die Seiten zu lesen, denn oft, wenn er versuchte einen längeren Text zu verstehen, begannen die Worte vor seinen Augen zu tanzen und zu verschwimmen, bis am Ende ein unverständlicher Buchstabensalat dabei herauskam.

// Hier gehts zum dritten Teil. //

Fortschritte

Seit einer etwas längeren Zeit, die sich für mich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hat, habe ich damit gekämpft, die Distanz von 10km zu bewältigen..

Gestern habe ich es endlich geschafft, und dieses Mal nicht mit dem Gefühl, danach zusammenzubrechen, sondern noch mit so viel Motivation, dass ich noch 6km daraufgesetzt und im Endeffekt eine Distanz von 16km in ein bisschen mehr als einer Stunde und 50 Minuten zurückgelegt habe – Für mich ein riesiger Erfolg.

Was mich deprimiert hat ist, dass mein Laufpartner (der normalerweise nur um die 4,5km läuft) ohne Probleme mit mir mithalten konnte und auch im Endeffekt an diesem Tag 14km gelaufen ist. Das fühlte sich im ersten Moment einfach nur unfair an aber die Freude über mein eigenes erreichtes Ziel überwog am Ende dann doch. Es wäre vermutlich auch nur halb so schön gewesen, wenn ich nicht so sehr dafür kämpfen hätte müssen.

Ich sehe zwar nicht immer so motiviert aus, aber ich gebe mir Mühe.

Zum ersten Mal habe ich wirklich das Gefühl, ich könnte den Halbmarathon wirklich schaffen. Nicht, weil ich irgendwie Glück mit meiner Genetik und meinem Körperbau hatte, sondern weil ich dafür kämpfen werde und mir gestern gezeigt hat, dass ich meine Ziele auch tatsächlich erreichen kann.

Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich laufe. Weil es nur von mir selbst und meinem eigenen Willen abhängig ist, ob ich es schaffen werde oder nicht.

Wie diskutiert man eigentlich über grundlegende Dinge wie die Menschenrechte?

Wer sind wir, was ist unsere kulturelle Identität? Wer sind wir Deutschen als Kulturnation? Aktuelle Fragen, die sich Thomas Mann schon damals in seinem sechshundert Seiten langem Essay „Betrachtungen eines Unpolitischen“ stellte.

Vor allem jetzt hält die Frage nach unserer Kultur in allen Bereichen unseres Lebens Einzug. Vor allem beim Thema Immigration sind sich plötzlich alle einig: Unsere Deutsche Kultur muss erhalten werden und die, die hierher kommen, haben sich gefälligst anzupassen. Alles irgendwo okay, natürlich muss man die Kultur seines Gastlandes respektieren, aber trotzdem stellt sich mir immer die Frage, was unsere deutsche Kultur denn nun überhaupt ist.

Es ist unsere Sprache, mit Sicherheit, es sind aber (meiner Meinung nach) genauso unsere Wert- und Moralvorstellungen, die wir vor allem seit der Epoche der Aufklärung entwickelt haben. Unser Land hat eine christliche Vergangenheit, der Großteil der deutschen Bevölkerung ist auch heute noch Mitglied in einer Kirche, auch wenn der Glaube in den Leben der meisten Deutschen nur noch eine sehr kleine Rolle spielt. Trotzdem werden Parteien wie die AfD oder die CSU nicht müde zu betonen, dass das Christentum zur „Leitkultur“ gehöre, seit neuestem hängen deswegen auch in allen bayerischen Behörden Kreuze. Dass ich, und mit mir eine ganze Menge anderer Atheisten, mich als Deutsche damit so überhaupt nicht identifizieren kann, ist anscheinend egal.

Ich war nie wirklich „stolz“ darauf, Deutsche zu sein, schließlich ist das nichts, wofür ich arbeiten musste, nicht etwas, das ich selbst erreichen musste. Mittlerweile bin ich aber sehr wohl stolz darauf, welche Werte die meisten Menschen in Deutschland vertreten, und welche großartige Leistung wir im Jahr 2015 während der Flüchtlingskrise vollbracht haben. Ein Beispiel dafür sind die Münchner, die Flüchtlinge am Bahnhof willkommen geheißen haben und die unzähligen ehrenamtlichen HelferInnen. Weil Deutschland bunt ist, voller Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Ich war so stolz darauf, was unsere Bevölkerung geleistet hat, wie wir damit umgegangen sind, trotz all der Probleme, die sich aufgetan haben und an deren Lösung wir noch immer arbeiten. Ich bin noch immer stolz auf die Akzeptanz und Toleranz unserer Gesellschaft, während sich in mir gleichzeitig eine tiefe Fassungslosigkeit gegenüber dem, was sich mit der AfD in unserer Bevölkerung breit gemacht hat, ausgebreitet hat.

Fremdenfeindlichkeit und Begriffe wie die einer „Deutschen Rasse“ sowie die absurde Behauptung eines „Deutschen Genozides“ sind plötzlich in der Bevölkerung akzeptiert, Begriffe wie „Asyltourismus“ oder „Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner“ sind dabei, wieder salonfähig zu werden. Die Relativierung des Holocausts ist plötzlich auch kein großer Schock mehr, zu abgestumpft sind wir mittlerweile der rechtsradikalen Rhetorik gegenüber.

Als politischer Mensch ist es fast nicht auszuhalten, die Forderungen der CSU zu verfolgen und zu bemerken, was sich dabei unmittelbar in den Köpfen der Bevölkerung verändert. Denn das Gerede der PolitikerInnen löst in den Menschen den „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“-Reflex und das Gefühl der Rechtfertigung rechten Gedankenguts aus. Auf einmal kann man wieder von „Biodeutschen“ reden und während der Großteil der Bevölkerung deswegen vor Verzweiflung gegen eine Wand rennen möchte, bekommt der/die dementsprechende KommentarschreiberIn auch noch Unterstützung für seinen/ihren Mut. Selbsternannte PatriotInnen kämpfen gegen die „Islamisierung des Abendlandes“, während rassistische und menschenverachtende Rhetorik immer akzeptierter wird.

Die Lehre einer „Weißen Rasse“ und dem „Weißen Genozid“ wird unkommentiert verbreitet und als normaler Mensch weiß man in solchen Diskussionen meist einfach nicht mehr, was man sagen soll.

Denn wie diskutiert man über so grundlegende Dinge wie die Frage, ob man einem Teil der Menschheit die Menschenwürde und ihr Recht auf Leben nicht einfach aberkennen könne? Denn das ist die unweigerliche Folge davon, Flüchtlinge abzuweisen oder sie in ihre Heimatländer wie beispielsweise Afghanistan zurückzubringen. Afghanistan ist kein sicheres Land und es ist unmenschlich, jemanden dorthin abzuschieben.

Um auf unsere deutsche Kultur zurückzukommen: In unserer Vergangenheit findet man viele bedeutende KünstlerInnen, Goethe und Schiller sind hier nur zwei der bekanntesten, aber auch bedeutende WissenschaftlerInnen wie Einstein oder in der aktuelleren Geschichte Christiane Nüsslein-Volhard (Nobelpreisträgerin). Diese Vergangenheit, die ein großer Teil unserer Kultur ist, kann uns auch heute niemand mehr wegnehmen. Viele Medien sprechen heutzutage von der Angst davor, unsere „Deutsche Kultur“ zu verlieren und im Zuge davon wird gerne behauptet, Deutschland wäre innerhalb von 50 Jahren „minderheitlich deutsch“, wobei hier von „biologischen Deutschen“ gesprochen wird. Abgesehen davon, dass diese Behauptung vollkommen unrealistisch ist und es keine „Deutsche Rasse“ gibt, braucht Deutschland pro Jahr mindestens 267.000 bis zu einer halben Million Einwander jährlich um nicht zu Schrumpfen. Denn ein Rückgang der Bevölkerungszahl bei gleichzeitiger Erhörung der Lebensdauer könnte zu einem riesigen Problem führen.
Kultur ist immer im Wandel, sie bleibt nie gleich. Man muss sich nur die allgemeinen Wertvorstellungen vor und nach der Aufklärung ansehen, um zu verstehen, wie schnell sich manche Dinge ändern können – und das nicht unbedingt zum schlechteren.

Ist es denn gerechtfertigt, aus Angst vor Veränderung Menschen das Recht auf Leben, und zwar ein Leben ohne Angst, abzusprechen? Ist es denn in Ordnung, Menschen einen höheren Lebensstandard abzusprechen, weil sie leider auf der anderen Seite des Mittelmeeres geboren sind? Ist es okay, dabei zuzusehen, wie Menschen ertrinken, weil man sie nicht retten möchte? Ist es okay, einem Schiff, das Flüchtlinge gerettet hat und nur für 48 Stunden genügend Nahrung hat, zu untersagen anzulegen? Widerspricht das nicht genau unseren Wertvorstellungen und dem urchristlichen Wert der Nächstenliebe?

Wann sind wir eigentlich an dem Punkt angekommen, an dem es okay ist, Menschenrechte zu missachten und zur Diskussion und damit gleichzeitig zur Disposition zu stellen?

 

 

Meister der Prokrastination

Der Mensch ist schon ein wundersames Wesen, er kann so viel gleichzeitig tun, das Gesamtbild betrachten, die Zukunft planen und sich an die Vergangenheit erinnern.

Wenn ein größeres Projekt ansteht sind wir dazu in der Lage, im Voraus zu planen, wann wir daran arbeiten werden, wie wir die Arbeitslast aufteilen und was die besten Strategien sind. Alles kein Problem also, selbst eine ganze Menge Arbeit wird so in kleine, machbare Portionen aufgeteilt.
Ja, alles kein Problem, wäre da nicht ein kleiner Teil in unserem Gehirn, der sich jedes einzelne Mal, wenn wir eigentlich mit der Arbeit beginnen wollen, der Aufgabe widmet, die sinnlosesten Informationen herauszukramen und mindestens eine Stunde über die verschiedensten Dinge zu sinnieren. Eine dieser interessanten Fragen ist zum Beispiel, ob man, wenn man in die Vergangenheit reist und seine eigene Geburt verhindert, nicht doch trotzdem geboren werden müsste, weil man, weil man ja dann nicht existiert, nicht verhindern kann, dass man geboren wird. Das ist nur eines der Dinge, über die ich nachdenke, wenn ich eigentlich an etwas anderem arbeiten sollte. Blogposts zum Beispiel, oder Hausaufgaben, meist jedoch, wenn ich mich auf eine Klausur vorbereiten sollte. Mein Gehirn ist ein Experte darin, sich solche Dinge auszudenken und sich fundamentalen Fragen des Mensch-Seins zu widmen und es läuft zu Höchstleistungen auf, wenn ich gerade beginnen will, zu arbeiten.

Der natürliche Arbeitsverlauf eines prokrastinierenden Menschens

Wir wissen alle, wie eine normale Arbeitslasts-Kurve aussehen sollte: Alles gleichmäßig verteilt, am Ende vielleicht ein bisschen mehr.
Bei Prokrastinierenden sieht das leider nicht ganz so hübsch gleichmäßig aus – eigentlich ist es überhaupt nicht gleichmäßig.

Ungefähr so sieht es bei mir jedes Mal aus, wenn ich irgendetwas abgeben muss. All die Wochen davor denke ich mir immer „Ach ich habe ja noch so viel Zeit, ich kann ja auch morgen noch anfangen. Alles kein Stress.“ Der Punkt ist nur, dass ich mir das jeden einzelnen Tag denke und mich dann in den verschiedensten, eigentlich sinnlosen, Tätigkeiten verliere, die Zeit vorbeigeht und nichts passiert. Und dann, eines Tages, wacht in meinem Gehirn ein Panikmonster auf, das gerade realisiert hat, dass die Deadline in drei Tagen ist und ich mit meinem Essay noch nicht einmal angefangen habe – das ist dann der Moment, in dem ich außer Essen und eventuell Schlafen nichts anderes mehr mache, als an dem aktuellen Projekt zu arbeiten.

Ohne diese Panik, die mich immer kurz vor Abgabeschluss ergreift, würde ich vermutlich nie etwas fertig bekommen – gut also, dass es das Panikmonster gibt.

Warum wir nicht einfach „dazulernen“

Es funktioniert einfach so gut. Eine meiner Freundinnen hat das Prokrastinieren perfektioniert und im Endeffekt mit einem Schnitt von 1,0 ihr Abitur gemacht. Ich glaube zwar nicht, dass das entspannend war sondern im Endeffekt ein riesiger Stress, aber naja – Es zählt ja doch irgendwie im Endeffekt nur das Ergebnis.

Außerdem: Warum sollte ich denn mehr Zeit als unbedingt notwendig mit Dingen verbringen, die mir keinen Spaß machen? Wenn ich alles bis zu letzten Minute aufschiebe, habe ich logischerweise auch weniger Zeit zur Verfügung, um mich damit auseinanderzusetzen. Meistens ist das, was dabei entsteht, auch nicht unbedingt von schlechter Qualität. Klar, es wäre vermutlich besser geworden, hätte ich mir drei Wochen anstatt von drei Tagen dafür Zeit genommen, aber der Wikipedia-Eintrag über Schwarze Löcher war einfach interessanter. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch genügend Zeit – so wie an all den Tagen danach.

Abgesehen davon hat niemand so ein großes Allgemeinwissen, wie prokrastinierende Menschen, denn wer sonst wüsste sonst schon etwas über Wirbelstrombremsen?

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Sie.

// Der erste Teil einer kleinen Geschichte, an der ich gerade arbeite //

Sie war ein sehr unsicherer Mensch, fühlte sich unter Menschen nie ganz wohl und war am Liebsten allein. Allein war hier vielleicht der falsche Begriff, schließlich war sie nie wirklich einsam, die Worte begleiteten sie überall hin, bildeten eine Welt in ihrem Kopf, die die Anderen nie so ganz verstehen konnten, denn deren Kopf war nicht so wie ihrer mit diesen wirbelnden schwarzen Gebilden gefüllt, die ihr ganzes Leben bestimmten und verschönerten, ohne die sie nicht sein konnte. 

Andere betrachteten sie nur von fern, die Meisten fanden sie seltsam und hielten Abstand, wenn sie wie immer mit ihrem kleinen schwarzen Notizbuch unter dem gleichen Baum saß und scheinbar ohne Unterbrechung schrieb. Das Buch schien nie voll zu werden oder zu wechseln, auch wenn sie, so sah es zumindest aus, jeden Tag mehrere Seiten davon füllte. Manchmal konnte man sie dabei beobachten, wie sie einige Seiten daraus wieder ausriss, sie wütend zusammenknüllte und wegwarf, weil ihr die Kunstwerke aus Tinte nicht gefielen, die sie zu Papier gebracht hatte. Sie wollte immer, dass alles perfekt war, überlegte oft minutenlang an ihrem Stift kauend, was der am besten passende Ausdruck für diese Situation war, und wie sie ihre Texte am besten aufbauen sollte. Manchmal schrieb sie jedoch auch einfach darauf los, weil die Worte ihr zuflossen, leise ins Ohr krochen und sie nicht anders konnte, als sie alle niederzuschreiben. Dieses Land in ihrem Kopf, bestehend aus Druckerschwärze und dem Geruch von Papier wollte nicht nur leise in ihr existieren, es wollte in die Welt hinausgetragen werden, denn es war zu bittersüß und wunderschön, als dass sie es für sich behalten hätte können. Die Worte waren ihre Zuflucht, auch wenn die Frucht ihrer Arbeit nie jemand zu sehen bekam, denn alles was sie in diesem kleinen Buch festhielt, war zu privat und sie befürchtete, die fragilen Sätze würden scharfer Kritik und der Aufmerksamkeit der Welt nicht standhalten. Sprache und Worte waren ihre Zuflucht, etwas, das man ihr niemals nehmen konnte und sie bewunderte die beinahe unbegrenzten Möglichkeiten sprachlicher Ausdrücke. Worte faszinierten sie, vor allem die, die man aus mehreren anderen zusammengesetzt hatte. „Bittersüß“ war ein perfektes Beispiel dafür, ein Wort das einem auf der Zunge zerschmolz, genauso wie dunkle Schokolade, an die es sie erinnerte. Wenn sie nicht gerade schrieb, dann lief sie mit Kopfhörern, aus denen keine Musik drang, in den Ohren durch die Gegend. Sie hörte keine Musik, denn sie brauchte nichts um die Welt zum Schweigen zu bringen, die Gestalten aus Tinte erledigten das für sie. Nein, aus den kleinen Knöpfen in ihren Ohren ertönte keine Musik, nur White Noise, die perfekte Grundlage für die schwarzen Figuren, die ihr ihre Geschichten erzählten. Schwarz auf Weiß, rundbäuchig, eckig, gerade oder schief, sie liebte jede einzelne von ihnen, denn jede Geschichte war es wert, gehört und danach aufgeschrieben zu werden. 

// Hier gehts zum zweiten Teil //