Du bist einfach weg.

Du bist einfach weg.
Weg, als hätt‘s dich nie gegeben,
statt dir ist da dieses Loch und die Welt,
die dreht sich einfach so immer weiter, 
auch wenn doch alles stehen blieb.

Ich weiß nicht wo du bist und ob du überhaupt noch irgendwo, irgendwie bist, aber ich will es glauben, muss es glauben.

Und mein Handy warnt mich „Bei längerem Hören auf dieser Lautstärke kann es zu einer Verschlechterung der Hörqualität kommen.“
Aber es ist nicht laut genug,
ich will, dass die Musik alles durchdringt, ich alles vergesse, alles verschwindet,
dass der Takt, der Bass, die Melodie, dass das alles ist was bleibt, weil alles andere zu viel wäre.

Du warst ein Wortakrobat, ein Künstler, ein Maler, du hauchtest Dingen Leben ein und nun nicht mehr.

Ich hab dich gekannt und irgendwie auch nicht, nur die letzten 18 Jahre deines, die doch alle 18 Jahre meines Lebens waren.

Warum es den Feminismus immer noch geben muss und warum wir diese Bewegung nicht einfach zum “Humanismus” machen können & dürfen.

cn: sexuelle / körperliche Gewalt, TERFs

Diskutierst du mit anderen Menschen über Themen wie die Frauen*quote wirst du sehr bald gefragt, ob du eigentlich Feminist*in bist. Bejahst du diese Frage folgt darauf meist eine hitzige Diskussion darüber, ob wir Feminismus denn heutzutage eigentlich wirklich noch brauchen würden. Ob Frauen* nicht mittlerweile mehr Privilegien und Rechte hätten als Männer*, ob wir denn nicht schon lange gleichberechtigt sind.

Die Antwort darauf ist ganz klar: Nein, sind wir nicht. Ja, wir brauchen den Feminismus noch.

Aber was genau ist denn jetzt eigentlich „Der Feminismus“?

Es ist wichtig zu wissen, dass Feminist*in zu sein nicht nur bedeutet, sich für weiße cis hetero Frauen einzusetzen. Feminismus heute, im 21sten Jahrhundert, heißt, sich für Frauen*, das heißt sich für Transfrauen genauso wie für Cisfrauen und Enbies einzusetzen. Für schwarze Frauen*, für women* of color. Für homosexuelle Frauen* und für bisexuelle Frauen*. Für Frauen* die Karriere machen und keine Kinder wollen, für Frauen* die Karriere machen wollen und Kinder haben, für Frauen* die nicht arbeiten, weil sie sich völlig auf ihre Kinder konzentrieren möchten.

Ein Feminismus, der nicht alle Frauen* beinhaltet, ist kein echter Feminismus.

Als weiße cis Feministin ist es meine Aufgabe, mir meiner Privilegien bewusst zu sein, mich darüber aufzuklären und mich für all jene Frauen* einzusetzen, die diese Privilegien nicht haben. Dazu gehört auch, innerhalb der Bewegung in den Diskurs zu treten, wenn es um White Privilege geht, um rassistische Strukturen in Deutschland, davon, wie viel stärker nichtweiße Frauen* von Sexismus und Diskriminierung betroffen sind.

Intersektionale Feminist*in zu sein heißt, anzuerkennen, dass, auch wenn Frauen* als gesamte Gruppe Diskriminierung und Sexismus ausgesetzt sind, es kleinere Gruppen an Frauen* in der Bewegung gibt, die noch mehr Schutz und Aufmerksamkeit benötigen, als du selbst es vielleicht tust.

Aber wieso heißt es denn jetzt „Feminismus“ und nicht „Humanismus“? 

Das Prinzip des intersektionalen Feminismus, dem bewusst ist, welche Gruppierungen mehr Schutz und Stärkung benötigen, lässt sich direkt auf unsere gesamte Gesellschaft übertragen. Um vollkommene Gleichberechtigung und im Endeffekt auch Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen, ist es wichtig, dort anzusetzen, wo Handlungsbedarf besteht. Das heißt zum Einen dafür zu sorgen, dass es für gleiche Arbeit gleichen Lohn gibt und dass es Schutzräume für Frauen*, die Opfer sexueller Belästigung geworden sind, gibt. Das heißt aber zum Anderen auch, dass wir mithelfen, Frauen* in Führungspositionen zu bringen, dass Care-Arbeit nicht mehr größtenteils von Frauen* erledigt wird und dass typische „Frauenberufe“ wie Pfleger*in oder Kindergärtner*in besser bezahlt werden müssen – und auch Männer* aktiv dazu ermutigt werden, diese Berufe zu ergreifen.

Wir achten darauf, besonders gefährdete oder besonders benachteiligte Gruppen besonders unterstützen und stärken. Das heißt unter anderem, dass wir Transfrauen anerkennen und die Bewegung nicht durch Dispute darüber, ob sie echte Frauen (btw: Ja, sind sie) sind, spalten. 

Frauen*, egal ob sie cis sind oder nicht leiden unter patriarchalen Strukturen, wenn sie nicht cis sind sind sie zusätzlich dazu noch zahlreichen weiteren Repressalien ausgesetzt. 

Intersektionaler Feminismus heißt aber auch, dass wir Männern* die unter dem Patriarchat teils genauso leiden, den Rücken stärken. Dass wir versuchen, Geschlechterstereotypen aufzuweichen, dass wir versuchen, feminin-codierte Eigenschaften positiv zu bewerten und von ihrer Geschlechterrolle zu lösen um somit zu verhindern, dass Männer* beispielsweise dafür verurteilt werden, dass sie Gefühle zeigen.

Dennoch liegt unser Hauptaugenmerk noch immer auf der Stärkung von Frauen*. Warum? 

Es ist im Grunde ein recht einfaches Prinzip: Wir fangen dort an, wo es am schlimmsten ist. Frauen* leiden am stärksten unter dem Patriarchat. Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Diskriminierung bei der Jobsuche und der Bezahlung, ganz zu schweigen von den ohnehin schon ungleichen Startbedingungen, mit denen Kinder ins Leben starten.

Wir teilen unseren Nachwuchs schon von klein auf in die beiden Kategorien „mit Penis“ und „ohne Penis“ auf.

Basierend darauf ziehen wir ihnen unterschiedliche Farben an, kaufen unterschiedliches Spielzeug. Sagen „Du heulst wie ein Mädchen“ oder „Du bist doch kein Junge!“. Bringen den Kindern „ohne Penis“ bei, keinen Platz im öffentlichen Raum einzunehmen, immer mit überschlagenen Beinen zu sitzen, sich zu melden, höflich zu sein. Sagen „Es sind halt Jungs“ wenn sich wieder zwei Kinder „mit Penis“ prügeln oder schon im Kindergarten das „Nein“ nicht akzeptiert wird und Küsse „gestohlen“ – also aufgezwungen – werden.

Und dann, Jahre später wundern wir uns, wieso in Europa jedes dritte Mädchen* über 15 Jahren schon einmal Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt geworden ist. Warum Täter meistens Wiederholungstäter werden, warum Frauen* sich alleine im Dunkeln oft nicht sicher fühlen.

Rape Culture ist einer der wichtigsten Gründe, warum es Feminismus heißen muss und nicht Humanismus. „Aber ihr behauptet doch, ihr setzt euch für die Bedürfnisse aller Menschen ein?!“ Ja. Tun wir auch. Aber diese Bewegung in „Humanismus“ umzubenennen würde heißen, die speziellen Bedürfnisse von Frauen* zu ignorieren. 

Heterosexuelle Cismänner sind in unserer gesamten Gesellschaft das Zentrum der Wahrnehmung, der Prototyp des Menschen.

Eine Bewegung, die sich erstmals speziell auf die Bedürfnisse von Frauen* fokussiert, wirkt oftmals wie eine Bedrohung für diesen Typ Mann. Weil er es nicht gewöhnt ist, einmal nicht inkludiert zu werden. Er ist zwar Ursache und gleichzeitig Produkt des Patriarchats, tatsächlich geht es aber einfach nicht um ihn. Dieser Typ Mann muss sich seiner Privilegien bewusst werden und einsehen, dass immer dort angesetzt werden muss, wo die größte Notwendigkeit besteht. 

Den Feminismus zum Humanismus zu machen würde bedeuten, diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, und das nicht auf die positive Art und Weise. Er würde die Existenz von Sexismus und geschlechtsbasierter Diskriminierung einfach leugnen und wäre ein Schlag ins Gesicht aller Frauen*, die unter patriarchalen Strukturen leiden – also in das aller Frauen*.

Lass die anderen sich verändern und bleib so wie du bist.

Aber du bist nicht du geblieben.
Vielleicht warst du immer du.

Vielleicht habe ich es nur einfach nicht gesehen.

“Heutzutage reicht es für das Abitur, den Taschenrechner bedienen zu können” oder “Wie Menschen, die seit Jahrzehnten in keiner Schule mehr waren, sich ein Urteil bilden.”

Das Matheabitur ist in Bayern jetzt knapp 11 Tage her und noch immer ist die Empörung über den angeblich zu hohen Schwierigkeitsgrad groß. Schüler*innen – und das nicht nur in Bayern – haben Petitionen an ihre jeweiligen Kultusministerien gestartet, die in Bayern wurde bis heute von mehr als 72.000 Menschen unterzeichnet.

Doch während Abiturient*innen sich echauffieren und versuchen zu erklären, was genau denn an den Aufgaben so schwierig war, nehmen viele Journalist*innen dies als Gelegenheit, sich über die “Generation Schneeflocke” lustig zu machen. 
Hans Kratzer titelte in der SZ gar “Matheschwäche gilt heute beinahe als Verdienst” und erfährt damit auch gar nicht mal so wenig Zustimmung. Weiter heißt es bei ihm “Das Abiturzeugnis erhalten nun auch jene, die lediglich den Taschenrechner bedienen können.” und “Das Fach Mathematik wurde im Gymnasium nach und nach auf ein unteres Grundkursniveau heruntergedimmt. Es ist schon längst kein Angstfach mehr, […].”
Angesichts dieser Aussagen muss ich nun doch fragen, wann der werte Hans Kratzer zum letzten Mal den Mathematikunterricht, vor allem den bayerischen, besucht hat. Mathe ist kein Angstfach mehr? Das soll er doch bitte einmal den Schüler*innen erzählen, die regelmäßig beim Gedanken an das Matheabitur in Tränen ausgebrochen sind.

Bei großen Teilen der Debatte frage ich mich, ob die Journalist*innen und Politiker*innen sowie die selbsternannten Spezialist*innen nicht doch den Kernpunkt verfehlen. Viele große Medienhäuser, die über das Abitur berichteten, ließen einige Aufgaben vorrechnen, bekleckterten sich dabei allerdings nicht mit Ruhm, was die journalistische Sorgfaltspflicht betrifft.
Die SZ beispielsweise ließ einen ihrer Redakteure eine Aufgabe vorrechnen und untertitelte das mit “Wer die Aufgaben allerdings nachrechnet, merkt sehr schnell: Das war alles machbar.” Welche Aufgabe sie vorgerechnet haben? Die einfachste. So einfach kann mensch es sich natürlich auch machen.

Es ist aber auch viel einfacher, die Abiturient*innen als sensible Schneeflocken darzustellen, anstatt über das eigentliche Problem zu sprechen: Das Abitur ist ungerecht und das nicht nur in Bayern sondern in ganz Deutschland. Ungerecht, da das Elternhaus immer mehr über den schulischen Erfolg bestimmt, ungerecht, da jedes Bundesland unterschiedliche Anforderungen an seine Abiturient*innen stellt, ungerecht, da die verschiedenen Abiture nicht miteinander verglichen werden können.

Aber ja, ich kann verstehen, dass mensch die Beschwerden der Abiturient*innen lieber ins Lächerliche zieht (wie z.B. mit der Ankündigung von “Mondays für Abitur”) anstatt sich mit den eigentlichen Problemen des deutschen Bildungssystemes auseinanderzusetzen. Oder sind es doch die der 16 deutschen Bildungssysteme?

Der “Spaß-Tüv” – Sind jetzt etwa alle Witze verboten?

Karneval, Narrenzeit. Die Zeit, in der unter dem scheinheiligen Mantel der Narrenfreiheit so manche Dinge gesagt und Hiebe unter der Gürtellinie ausgeteilt werden. Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich mit einem “Witz” über das dritte Geschlecht gehörig in die Nesseln – und das zu Recht.

“Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.”

Das verkaufte Kramp-Karrenbauer während ihrem “satirischen” Auftritt am Donnerstag im baden-württembergischen Stockach am Bodensee als Witz, denn im Karneval darf man ja anscheinend auch Dinge, die normalerweise nicht erlaubt sind. Andererseits, bei AKK wäre es auch keine Überraschung gewesen, wenn sie eine Äußerung wie diese in einer ihrer ganz normalen Ansprachen gemacht hätte. Schließlich fiel sie schon oft durch ihren sehr konservativen Standpunkt zur gleichgeschlechtlichen Ehe auf, die sie mehrmal in die Nähe von Inzest und Polygamie gerückt hatte.

Das gesamte Internet – vorrangig Twitter – fand ihren “Witz” auch überhaupt nicht witzig und so forderten einige namhafte Blogger*innen und Politiker*innen (so unter anderem Sven Lehmann und Jens Brandenburg) Entschuldigungen von ihr, während Ralf Schuler von der Bild lieber fragte, was die ganze Aufregung denn eigentlich sollte. Schließlich ist ja Karneval und ein “Karneval der Korrekten” wäre ja auch wahnsinnig langweilig.

Stimmt schon, worüber sollen privilegierte, weiße, cis und heterosexuelle Menschen denn eigentlich noch lachen, wenn nicht über Frauen, Homo-,Trans- und Intersexuelle oder andere marginalisierte Gruppen? Witze sind ja nicht witzig, wenn alle lachen können; für mindestens eine Bevölkerungsgruppe muss so ein richtiger Witz unbedingt beleidigend sein, sonst qualifiziert er ja nicht als witzig. – Zumindest ist das das Gefühl, das mensch bekommt, wenn es Kommentare wie den von Ralf Schuler liest, der das Konzept von Witzen anscheinend nicht ganz verstanden hat.

Wir kennen das ja, als Kind macht mensch gerne mal böse Kommentare, die wir dann auch noch witzig fanden, schließlich konnte mensch ja selbst drüber lachen. Und dann bringt dir eine*r Erwachsene*r auf mehr oder weniger schonende Art und Weise bei, dass Dinge eigentlich nur dann witzig sind, wenn jede*r darüber lachen kann. Bei unserer Gesellschaft und jetzt gerade Annegret Kramp-Karrenbauer bekommt mensch immer öfter das Gefühl, dass so manche*r diese Person in ihrer Erziehung nicht hatten, die einem*r beibrachten, dass es nicht witzig ist, sich auf Kosten anderer einen “Spaß” zu erlauben sondern einfach unangebracht und unhöflich.

Im Karneval ging es ursprünglich einmal darum, sich über Herrschende lustig zu machen, Machtstrukturen aufzuzeigen und ins Lächerliche zu ziehen und nicht darum, noch einmal nach unten zu treten und es damit denen, die es sowieso schon schwer hatten, noch schwerer zu machen.

Aus Schülersicht: Gymnasien in Bayern

Symbolbild. Quelle: Pixabay

Bayern und sein Schulsystem, oft über den grünen Klee gelobt und von Menschen in ganz Deutschland als besonders schwierig aber gleichzeitig besonders gut betrachtet. Schulen in Bayern sind gut ausgestattet, die Lehrer*innen gut ausgebildet und der Weg zum Abitur viel schwieriger als in anderen Bundesländern. Oder zumindest heißt es das immer.

Aber wie viel ist da wirklich dran? Sind die bayerischen Schüler*innen wirklich so viel besser als die im Rest von Deutschland? Sind die Schulen besser ausgestattet und der Stoff schwieriger?

Zunächst muss erwähnt werden, dass Bayern jetzt gerade wieder den Wechsel zwischen dem G8 und einem neuen G9 durchmacht, was zumindest aus meiner Perspektive wenig sinnvoll erscheint. Als Schülersprecherin hatte ich einige Monate vor der Entscheidung über das G9 die Möglichkeit, mit einem Mitglied des bayerischen Bildungsausschusses zu diskutieren, der uns mitteilte, dass der Lehrplan für das neue G9 und das eigentliche Konzept noch nicht einmal im entferntestem feststünde und die Politiker*innen somit auf bloßer Grundlage ihres Bauchgefühles entscheiden müssten. Einige Wochen später wurde dann die endgültige Entscheidung getroffen: Das G9 wird in einer neuen Form wieder eingeführt. Es ist zweifelhaft, dass das neue G9 die Situation der Schüler und Schülerinnen wirklich verbessern wird, da erst die Oberstufe so richtig stressig wird und genau das der einzige Teil ist, der nicht verändert werden wird. Es ist logisch, dass viele Schüler*innen auch in unteren Jahrgangsstufen Schwierigkeiten haben, Schritt zu halten. Nichtsdestotrotz ist die Oberstufe noch einmal etwas komplett anders und wie viele andere fühlte ich mich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen, da der Kontrast zwischen zehnter und elfter Klasse ziemlich stark ist; und dass, obwohl ich eigentlich eine sehr gute Schülerin bin.

Das Schulsystem basiert bist jetzt auf reinem Frontalunterricht und darauf, wie schnell du Dinge auswendig lernen kannst. Das (bayerische) Gymnasium in seiner jetzigen Form hat nicht mehr allzu viel mit der Intelligenz der Schülerschaft, sondern mit deren Anpassungsfähigkeit an das System zu tun. Lehrer*innen, die Schüler*innen helfen sich Informationen selbst zu erarbeiten, die ihr Interesse in den Fächern wecken und zur selbständigen Arbeit ermuntern sind leider eher die Seltenheit. Stattdessen bekommt mensch so gut wie in allen Fächern einen vorgekauten Brei an die Tafel geschrieben, den mensch auswendig lernen muss und wenn mensch mit dieser Art des Unterrichts nicht arbeiten kann, hat man einfach Pech gehabt. 

In diesem Jahr hatte ich das Glück einige Lehrer*innen zu haben, die das eben nicht so machen, sondern jedem*r Schüler*in dabei halfen, sich Informationen selbst zu erarbeiten und danach gemeinsam mit den anderen zusammenzufassen und darüber zu diskutieren. Diese Lehrer*innen sorgen dafür, dass mensch damit beginnt, sich selbstständig mit dem Stoff auseinanderzusetzen und sich auch außerhalb des Unterrichts damit zu beschäftigen. Sie sorgen dafür, Schüler*innen zu eigenständigen und überlebensfähigen Menschen zu erziehen, die nicht nur darauf angewiesen sind, dass ihnen jemand das Wissen häppchenweise serviert. Denn das wird im späteren Leben auch niemand mehr tun.

Gleichzeitig wird von Lehrer*innen mehr und mehr das Bild einer angeblichen „Bildungselite“ vermittelt. Angeblich sind die Gymnasiast*innen nämlich die Intelligentesten und Schüler*innen anderer Schulformen im Allgemeinen dumm. Kommentare wie „Ja, dann mach halt den Quali noch nebenbei, wenn du das Gymnasium nicht schaffst ist das deine Absicherung und den schafft mensch mit links“ vermitteln ebenfalls ein falsches Bild der Bildungsqualität anderer Schularten. Der Stoff dort ist nicht unbedingt einfacher, sondern vielleicht einfach anders. 

Gymnasien in Bayern zeichnen sich jedoch noch durch andere Arten der Intoleranz aus, nicht nur gegenüber anderer Schularten sondern auch gegenüber anderer Religionen sowie Lebensstilen. Homophobe sowie sexistische Kommentare sind keine Seltenheit und einfach unangebracht. Hier ist es auch keine Seltenheit, dass Kruzifixe im Klassenzimmer hängen, genauso wie abfällige Bemerkungen über den Islam im Unterrichtsgespräch. Gleichzeitig ist es schwierig eine eigene Meinung im Unterricht zu vertreten ohne zu riskieren, als „Feminazi“ abgestempelt oder mit dem „Political Correctness ist so überbewertet“ Argument zum Schweigen gebracht zu werden. 

Jede*r Lehrer*in ist auch nur ein Mensch und vertritt deswegen logischerweise auch seine eigene Meinung aber es ist unangebracht, solche Dinge vor Schüler*innen zu sagen. Meist entwickeln die Schüler gerade in diesem Alter ihre Persönlichkeit und finden mehr über sich selbst und ihre Sexualität heraus. Wenn mensch in diesem Alter das Bild vermittelt bekommt, dass es nicht normal ist, homosexuell oder einfach nicht hetero und cis zu sein, dann kann das zu Unsicherheit, Selbstzweifel und -hass führen. Intoleranz, die in der Schule vermittelt wird, wird sehr oft einfach in die eigenen Überzeugungen und Moralvorstellung übernommen, da mensch davon ausgeht, dass die Lehrer*innen sich auskennen und für viele eine Art Vorbildfunktion erfüllen. Es ist für Jugendliche schwierig, aus diesem Denken wieder herauszukommen

All das sind Punkte, die sich dringend ändern müssen, aber allein dadurch, die Schulzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern wird sich überhaupt nichts verändern. Was wir brauchen ist eine Überarbeitung des Konzeptes, um jeden Schüler optimal fördern zu können. Wir sollten nicht mehr nur bloßes Wissen sondern auch Kompetenzen und die Fähigkeit, Dinge zu begreifen und sich selbst beizubringen, lehren. Das G8 an sich war nichts Schlechtes per se, aber die Umsetzung in manchen Aspekten katastrophal. Deshalb sollte mensch daran arbeiten, dieses Konzept zu perfektionieren, anstatt wieder komplett bei Null anzufangen.

Aber das ist nicht öffentlichkeitswirksam und wird garantiert keine Wähler*innenstimmen bringen, denn die Überarbeitung und Perfektionierung eines bereits vorhandenen Systemes braucht seine Zeit und ist nicht dafür geeignet, zu kurz gedachte Wahlversprechen zu erfüllen. Würde mensch die Schüler*innen einfach mal nach ihrer Meinung fragen, danach fragen, wie mensch Schule besser machen kann, so würde mensch sich vermutlich einige Mühen sparen. Aber Schüler*innen sind nunmal nicht Wähler*innen und ihre Meinung somit nicht relevant genug.

“Die wollen nur schwänzen”

Foto: Tobias Kohler

Seit einigen Wochen beschäftigt eine Jugendbewegung Europa, die Politik und die Medien: Fridays for Future ist die Klimagerechtigkeitsbewegung, die die Politik dazu auffordert, endlich zu handeln.

Ihre Forderungen in Deutschland sind einfach und präzise: Ein Kohleausstieg bis spätestens 2030 und eine echte, globale Zukunftspolitik.

Aber anstatt sich mit den Forderungen von Fridays for Future und den Berichten von Wissenschaftlern und Organisationen wie z.B. der IPCC auseinanderzusetzen, diskutiert mensch darüber, ob Schüler*innen überhaupt streiken dürfen, oder ob das als “schwänzen” gilt. Schließlich sind sich ja alle einig, dass Schüler*innen alles nur Menschenmögliche tun würden, um nicht in die Schule zu gehen.

Klar. Sie wollen nicht in die Schule und deswegen gehen sie freitags zuerst in die Schule und dann demonstrieren – und das länger, als sie jemals Unterricht hätten. Also ganz im Ernst, wer keine Lust hat, in die Schule zu gehen, der/die meldet sich einfach krank und bleibt zuhause, anstatt Konsequenzen wie Bemerkungen im Zeugnis oder Verweise in Kauf zu nehmen.

Uns Schülern geht es nicht darum, nicht in die Schule zu gehen. Glaubt mir, ich würde auch lieber für meine vier Unterrichtsstunden am Freitag in der Schule sitzen und auf den Beginn des Wochenendes warten, anstatt demonstrieren zu gehen und die ganze kommende Woche darauf zu warten, welche Konsequenzen mich jetzt ereilen werden. Aber das ist keine Option mehr. Wir gehen jetzt auf die Straße, weil wir keine andere Möglichkeit mehr haben. Wir sind die Generation, die die Konsequenzen eures Handelns tragen werden. Unsere Kinder sind diejenigen, die vielleicht nicht mehr auf dieser Erde leben werden können.

Es geht nicht darum, ob Schüler*innen streiken “dürfen”, oder ob das als schwänzen gilt, es geht nicht darum, ob wir zu viel Stoff verpassen oder ob das Demonstrieren nur eine Ausrede ist, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Die Frage ist nicht, wie die Kultusministerien mit den streikenden Schüler”innen umgehen und welche Konsequenzen angemessen sind. Es geht darum, endlich zu handeln und gegen den Klimawandel, die größte Bedrohung der Menschheit, vorzugehen.

Die Zeit des Handelns ist jetzt, die Jahrzehnte des Nicht-Handelns haben uns keine andere Wahl mehr gelassen.
Wir – müssen – streiken, bis ihr handelt.