Übers zusehen

Übers zusehen

Zusehen wie
du glücklich bist.
Du lachst.
Mit meinen, unseren Freunden.
Es tut weh zu sehen, wie du mit ihnen Zeit verbringst, lachst, die Welt vergisst.

Ihr.
Genießt euer Leben, merkt nicht, wie ihr mich zur Seite schiebt, liegen lasst, vergesst, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verschwenden, dass es nicht immer so gewesen ist.
Ich brach mit einem von euch doch fühlt’s sich an, als wären es alle gewesen.
Ihr seid verschieden, doch eins und ich eins zu viel.
Ich sehe zu, wie ihr weint und lacht, streitet und liebt.
Es fühlt sich an als wäre ich mittendrin.
Und doch bin ich es nicht.
Ich sehe
nur zu.

Depressionen und Angststörungen – Impressionen aus Amerika

Erster Schultag: Meine Austauschpartnerin sitzt bei ihrem Guidance Counselor im Büro und bekommt die erste Anxiety Attack des Schuljahres.
Zweiter Schultag: Zweite Stunde, Guidance Counselor’s Office. Eine andere Austauschpartnerin hat eine Anxiety Attack.
Zweiter Schultag: Dritte Stunde. Meine Austauschpartnerin sitzt in der ersten Reihe und weint. Warum? Anxiety Attack.
Zweiter Schultag: Vierte Stunde. Ich treffe zwei neue Leute, das erste was ich von ihnen erfahre, ist wie sie heute schon einen Zusammenbruch hatten und wie sie jetzt schon merken, wie ihr geistiger Zustand sich verschlechtert hat / ihre Depressionen schlimmer werden.
Dritter Schultag: Eine Schülerin bekommt in der zweiten Stunde eine Panikattacke.

Warum? Schule. Continue reading “Depressionen und Angststörungen – Impressionen aus Amerika”

About being ‘a bitch’

“Die ist so eine Bitch” – wir alle kennen solche Sätze. Zumindest alle, die sich mit Menschen umgeben, die gerne tratschen und sich in anderer Menschen Leben einmischen. Doch was genau qualifiziert einen denn als “Bitch”, als “Schlampe”? Die Ursprungsbedeutung, also dass ein Mädchen für Geld Sex hat, ist es jedenfalls nicht. Denn nach dieser Auslegung des Wortes wäre fast keines der Mädchen, die mit diesen Ausdrücken beleidigt wird, eine Bitch.

Was macht einen in unserem Zeitalter zur Schlampe? Sex mit vielen Typen haben? Viele kurze Beziehungen haben? Allgemein, Sex haben und offen darüber sein, sich nicht dafür schämen?  Mehrere Typen/Mädchen küssen, vielleicht auch mehrere an einem Abend? Bisexuell sein, “gierig” zu sein? Mit freizügigen Klamotten herumzulaufen (und vielleicht sogar diese Aufmerksamkeit zu genießen) ?

Was, nein, Wer macht ein Mädchen denn heutzutage zur Schlampe?
Sie ist es jedenfalls nicht selbst.
Ich habe mich auch nicht selbst als Schlampe bezeichnet, es waren immer andere Menschen, die mir dieses Label verpasst haben. Nein, ich hatte nicht unendlich viele kurze Beziehungen, nein ich schlafe nicht für Geld mit irgendjemandem, nein, ich habe nicht ständig mit irgendjemandem Sex aber ja, ich küsse “viele” verschiedene Menschen, und ja, ich habe Sex und rede mit meinen Freunden offen darüber. Und ja, ich trage gerne Kleidung die andere Menschen wohl als aufreizend bezeichnen würden. Weil sie mir selbst gefällt. Weil ich diesen Kleidungsstil mag und mich damit wohl fühle.

Bin ich deswegen eine Schlampe? In den Augen der Gesellschaft anscheinend schon, denn das ist die Resonanz die ich unter anderem von meinen Klassenkameraden mitbekommen habe. Denn das Gerücht, dass ich etwas mit der und der Person hatte, hat innerhalb einer Woche vermutlich die halbe Schule erreicht. Ich frage mich nur, warum das der Fall ist. Warum interessieren sich so viele Menschen plötzlich dafür, wen ich küsse und mit wem ich eine Beziehung führe? Es ist nicht so, als wäre ich davor eine graue Maus oder irgendjemand, von dem man so etwas überhaupt nicht erwartet hätte, gewesen so dass es große Neuigkeiten und etwas wahnsinnig interessantes wäre, dass ich dieses eine Mädchen geküsst habe.
Wenn ich an all das zurückdenke, was ich in letzter Zeit so getan habe, denke ich vor allem auch daran, was andere Menschen jetzt deswegen über mich sagen. Und das ist ziemlich schade, denn das verpasst all den eigentlich tollen, spannenden und aufregenden Erfahrungen und Erinnerungen die ich davon behalten habe einen bitteren Beigeschmack. Und so geht es nicht nur mir, sondern unzähligen anderen Mädchen, die von ihren Mitmenschen genauso behandelt werden wie ich es werde.

Dass das überhaupt möglich ist, daran ist jeder von uns schuld. Denn wir sind die Menschen, die darüber reden, die nicht dagegen aufstehen, die nicht beginnen, anders zu denken. Als ich gestern auf einer Geburtstagsfeier war, habe ich mit zugehört, wie ein anderes Mädchen, gerade mal fünfzehn Jahre alt, als Schlampe bezeichnet wurde. Warum? Sie hatte Sex mit ihrem Freund, anscheinend ist irgendwas schiefgelaufen und sie musste die Pille danach nehmen und die ganze Schule weiß davon. Ja, deshalb ist sie eine Schlampe. Nicht, weil sie mit vielen Leuten rumgeknutscht hat, sich freizügig anzieht oder sonst irgendetwas, nein, weil sie mit ihrem festen Freund Sex hatte und dabei was schief gelaufen ist. Klasse, oder?
Ich habe mir das Ganze zehn Minuten lang angehört, bis ich endlich den Mut dazu hatte, meinen Freunden zu sagen, dass sie aufhören sollen, sie als Schlampe zu bezeichnen. Die Reaktion? “Warum denn nicht. Sie ist einfach eine.”

Gleichzeitig seid ihr die Menschen, die mehr Gleichberechtigung fordern, das Kopftuch verbieten lassen wollt und der Meinung seid, ihr währt viel aufgeschlossener als alle anderen um euch herum.