Digitalisierung – Viel Gerede um nichts

Digitalisierung – Viel Gerede um nichts

Alle reden immer großspurig davon, wie fortschrittlich Bayern in Sachen Digitalisierung ist und wie toll doch das bayerische Bildungssystem ist. Die „Digitale Revolution“ steht vor der Tür, der Masterplan BAYERN DIGITAL II verspricht weitere 3 Milliarden Euro zum Ausbau der Digitalisierung, davon 2 Milliarden Euro u.a. für Bildung, IT-Sicherheit und IT-Anwendungen.

Was genau haben wir, die Schüler, jetzt davon?

Man will alle Schulen mit einem Breitbandanschluss versehen und dafür bis zu 15 Millionen Euro investieren. Laut Bundesverkehrsminister Dobrindt sind 30 Mbit für das gesamte Schulgebäude und hunderte Schüler nicht ausreichend. Der Punkt ist nur – können wir, die Schüler, dieses wundervolle, wahnsinnig schnelle Internet überhaupt nutzen? Nein. Zumindest bis jetzt noch nicht. Nun stellt sich natürlich die Frage, warum das so ist. Sperrt sich etwa unser Schulleiter dagegen? Leider nicht. Wenn das so wäre könnte man im Schulforum Druck ausüben und das Ganze vermutlich irgendwie durchboxen.

Dummerweise liegt das Problem nicht direkt an meiner Schule, denn die ist wahnsinnig gut ausgestattet, wenn ich sie mit anderen, maroden und nicht ganz so fortschrittlichen Schulen vergleiche, was wir nicht zuletzt unserem Datenschutzbeauftragten verdanken, der sich da wirklich viel Mühe gibt und mit den Schülersprechern zusammen versucht, eine Lösung zu finden. Die Ursache, warum wir bis jetzt noch kein Schüler-WLAN bei uns haben liegt in München beim KM (=Kultusministerium). Sicher, alle reden großspurig von einer Digitalisierung der Bildung, das Digitale Klassenzimmer ist in aller Munde und Herr Spaenle hält das Thema Digitalisierung für „die zentralste Veränderung, die wir zu gestalten haben“. Was uns aber fehlt, um das durchsetzen zu können ist eine rechtliche Grundlage, auf der wir ein Schüler-WLAN anbieten können. Ja, ich weiß man kann in den Computerräumen auch problemlos ins Internet, aber da stehen die Schüler ja auch unter Aufsicht.

Wenn auch nur ein einziger Schüler mit dem schuleigenen WLAN irgendetwas Illegales oder nicht jugendfreies im Internet macht, haftet die Schule. Bei einem generellen WLAN, das immer für die Schülerschaft verfügbar wäre, ist diese Aufsichtspflicht nicht mehr umsetzbar.

Warum wäre ein WLAN für uns Schüler eigentlich sinnvoll? Im Grunde genommen ist diese Frage relativ einfach zu beantworten. Mehr und mehr Schüler nehmen ihren Laptop oder ihr Tablet mit in die Schule, um nicht mehr mit Stift und Papier, sondern eben digital mitzuschreiben.

Aber warum WLAN?

Ab der zehnten Klasse gibt es an unserer Schule glücklicherweise Freistunden, die wir nutzen können, wie wir wollen. Gut, um ehrlich zu sein, in der zehnten Klasse haben wir die hauptsächlich dazu verwendet, Essen zu kaufen und in der Aula auf den Sofas rumzuliegen, aber jetzt in der elften Klasse sieht das Ganze komplett anders aus. Die meisten Schüler nutzen ihre Freistunden nun tatsächlich, um sich auf ihre nächste Unterrichtsstunde vorzubereiten oder vielleicht schon mit ihren Hausaufgaben anzufangen. Dabei wäre Internet sehr nützlich, denn es gibt einige Lehrer, die die digitalen Möglichkeiten an unserer Schule tatsächlich ausschöpfen und eben unter anderem das Unterrichtsmaterial oder zusätzliche Informationen zum Stoff in die OwnCloud laden, sodass wir dieses von zu Hause noch einmal ansehen können. Abgesehen davon – wer kann mir erzählen, dass er Mathe wirklich immer kapiert hat? Die meisten von uns greifen dann eben zum Handy und googlen das Thema, am einfachsten ist es allerdings immer, sich einfach ein „The Simple …“ – Video anzusehen. Ohne Internet? Eher schwierig. Ein weiterer Grund wäre auch, dass man endlich in der Schule weiter an seinem Referat arbeiten könnte, ohne das umständlich über Google Drive im Computerraum bearbeiten zu müssen. Die Sofas im Aufenthaltsraum sind eben einfach gemütlicher…

Was war gleich nochmal der Grund, warum das nicht geht? Ach richtig, das KM hat bis jetzt keine Möglichkeit präsentiert, wie sich das durchsetzen lässt, ohne dass die Schule im Missbrauchsfall verklagt werden kann. Aber trotzdem: „Jede Schulklasse braucht einen zuverlässigen Turbo-Internetzugang. Für digitales Lehren und Lernen und für zukunftsfähige Bildungsangebote“ – zumindest laut Alexander Dobrindt.

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