„Aber du bist doch ein Mädchen!“

„Aber du bist doch ein Mädchen!“

– Ihr habt ja keine Ahnung, wie traurig, wütend und enttäuscht mich dieser Satz macht.

Ein Satz, so viele Variationen, so viel Macht, so viel Bedeutung.

Es muss nicht einmal als Beleidigung gemeint sein, es ist ja eigentlich „nur eine Feststellung.“ Ja. Stimmt. Ich bin ein Mädchen. Und was jetzt?

„Also deinem zukünftigen Mann wird es ja nicht gefallen, wenn du dich besser mit Technik auskennst, als er.“ – Zu mir vor einem halben Jahr gesagt, weil ich ins Repair Café gegangen bin, um ein bisschen was über Hardware zu lernen, weil ich davon absolut keine Ahnung habe, aber nicht immer meinen Vater fragen will.

Ich will etwas lernen, und was bekomme ich für eine Reaktion? „Deinem zukünftigen Mann wird das ja nicht gefallen“ Super. Ich soll also aus Rücksicht auf das eventuell fragile Selbstwertgefühl meines future husband’s darauf verzichten, etwas zu lernen. Weil es ja anscheinend schlimm für einen Mann ist, wenn (s)eine Frau etwas besser kann, als er selbst.

„Aber was hast du denn mit deinen Haaren gemacht? Aber du bist doch ein Mädchen!“ – Zu mir gesagt, nachdem ich meine Haare auf ungefähr 6mm geschnitten hatte. Weil Mädchen ja lange Haare haben müssen.

„Aber den Jungs gefällt das dann ja nicht. Du bist ja ein Mädchen.“ – Zu mir gesagt, als ich erzählt habe, meine Haare kurz schneiden zu wollen. Weil ich mein Aussehen davon abhängig machen müsste, was Jungs gefällt.

„Also, die Mädchen interessiert das ja jetzt eher weniger […]“ – Ein Chemielehrer zu unserer Klasse, bevor er uns von der Katastrophe in Tschernobyl erzählte und uns das ganze auf chemischer Ebene erklärte. Weil Mädchen sich ja nicht für Naturwissenschaften interessieren könnten.

„Also wenn du dich so anziehst brauchst du dich nicht wundern, wenn die Jungs sich nicht unter Kontrolle haben. Du bist doch ein normales Mädchen und keine Schlampe.“ Weil ich für meine eventuelle Belästigung oder sogar Vergewaltigung anscheinend selbst verantwortlich wäre.

„Du kommst um 11 heim oder um 12, wenn dich jemand nach Hause begleitet.“ – Meine Mutter, weil man als Mädchen anscheinend immer Gefahr läuft, vergewaltigt zu werden. Versteht das nicht falsch, ich kann meine Mutter verstehen, sie ist auch nicht konservativ oder so, sie will nur nicht, dass mir etwas passiert. Ich finde es nur traurig, dass sie mir sowas überhaupt sagen muss.

„Du bist echt stark – für ein Mädchen.“ – nachdem ich einen Jungen im Armdrücken besiegt habe. Weil Mädchen ja immer schwach sein müssten.

„Du wirfst / läufst / schlägst wie ein Mädchen!“ – Weil Mädchen ja immer in allem schlechter wären als Jungs.

Stimmt.
Ich bin ein Mädchen.
Heißt das, dass ich irgendetwas nicht tun kann?
Heißt das, dass ich Männern in irgendeiner Weise (außer vielleicht körperlich) unterlegen bin?
Heißt das, dass ich Naturwissenschaften nicht kann, und unbedingt etwas mit Sprachen studieren will?
Heißt das, dass ich Männern gefallen muss?

15 Gedanken zu „„Aber du bist doch ein Mädchen!“

  1. Ich bin auch ein Mädchen und hasse Sprachen! Meine Lieblingsfächer sind Mathe, Informatik, Chemie, Physik und Geografie! Ich finde nicht man sollte darauf hören, was andere Leute über sich sagen. Warum nimmst du es so persönlich? In der Schule ist es normal das sich eine Hand voll Mädchen für Naturwissenschaften, Technik und Mathe interessiert. Außerhalb der Schule ist es irgendwie nicht normal-das nervt! Lass sie Leute einfach reden

    1. Nein ich werde die Leute nicht einfach reden lassen. Denn dadurch bleiben mir sehr viele Türen verschlossen. Ich will ändern, wie die Welt Mädchen sieht, damit jede von uns die gleichen Chancen hat wie ein Junge

        1. Gut 😀
          Ich denke halt einfach, dass sich jeder von uns wehren sollte und den Menschen zeigen sollte, dass wir genauso viel können und genauso interessiert sind. Dann wird sich das Ganze vielleicht irgendwann ändern 🙂

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