[youtube https://www.youtube.com/watch?v=ZmWBrN7QV6Y&w=560&h=315]

Laute Erinnerungen

Musik, laute Musik.

Mein Handy warnt mich “Bei längerem Hören auf dieser Lautstärke kann es zu einer Verschlechterung der Hörfähigkeit kommen.” und ich füge der Leiste noch zwei weitere weiße Quadrate hinzu.
Ich kann und will nicht mehr
hören.

Nicht von der Außenwelt, nicht von meinen eigenen Gedanken die ich in meinem Kopf nicht mehr kontrollieren kann.

Erinnerungen steigen auf, erst verschwommen, je schärfer ihre Konturen werden, desto tiefer schneiden sie in mein Herz. Was ich habe verblasst, während alles was ich nicht mehr habe an Deutlichkeit gewinnt.
Stimmengewirr, Streit, Gelächter. Schluchzen

Zuerst all das positive, gestohlene Momente des Glücks in einer Zeit voller Streit. Danach  Streit. Stille. Das Ende. Die Lücke danach.

Wenn ich einen “Mute”-Knopf für meine Gedanken hätte würde ich ihn ohne zu zögern drücken, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. Es steigt ein Gedanke in mir auf, den ich schon lange nicht mehr hatte, den ich besiegt glaubte. Doch wie besiegt man sich selbst? Wie besiegt man das schwarze Monster dass an deiner Seele nagt, sobald du eine Sekunde nicht aufpasst?

Feminismus ist unnötig? Schön wär‘s

Eine kleine Ankündigung vorweg: Ich als Feministin setze mich für beide Geschlechter ein. Nachdem ich in den letzten Tagen aber sehr oft zu Ohren bekommen habe, Feminismus sei unnötig, weil Frauen überhaupt nicht mehr diskriminiert werden (bzw Sexismus erfahren) würden, hoffe ich das nun zumindest ein Stück weit widerlegen zu können.

Die am 5. März veröffentlichte Studie befragte EU-weit 42.000 Frauen, darunter 1.500 in Deutschland. 33 Prozent der Frauen auf EU-Ebene gaben demnach an, seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. 55 Prozent haben seitdem sexuelle Belästigung erlebt, in Deutschland sind es sogar 60 Prozent. Dazu zählen zum Beispiel unerwünschte Berührungen, Umarmungen oder Küsse. 33 Prozent der betroffenen Frauen in Deutschland gaben an, die sexuelle Belästigung im Arbeitsumfeld erlebt zu haben.

60% der Deutschen Frauen, das heißt drei von fünf Frauen haben seit ihrem 15ten Lebensjahr sexuelle Belästigung erfahren.

Ich bin 16 und habe sie schon am eigenen Leib erlebt. Bis jetzt gibt es nur wenige Menschen, mit denen ich offen darüber gesprochen habe, selbst meine Eltern wissen bis jetzt nichts davon. Warum? Aus Scham. Was küsse ich auch einen Menschen, den ich bis jetzt gerade nicht kannte? Ja, ich habe nein gesagt, aber er hat mich weiter angefasst, auch nachdem ich ihn versucht habe, wegzuschieben. Ich konnte nichts tun und war mit der Situation heillos überfordert. Als ich es dann irgendwann geschafft habe, zu gehen bin ich zu meiner Familie zurückgekehrt und habe mich verhalten, als wäre nichts gewesen.

Nichtsdestotrotz ist es “meine Schuld” – denn ich habe ihm ja Hoffnungen gemacht. Bin mit ihm mit, in die dunklere Ecke gegangen. Trotzdem war es nicht ok, dass er das gemacht hat. Als eine Freundin von mir neulich feiern war, wurde sie von einem Typen angegrapscht. Eine andere Freundin wurde beim Tanzen von hinten angemacht und aus ihrer Erzählung wörtlich hat er ihr “seinen Schwanz zwischen die Beine gepresst” – Ungefragt, auch nach Zurückweisung hörte er nicht auf.

Letztes Jahr hat eine Freundin von mir viel zu viel getrunken und ein Typ hat die Tatsache, dass sie zu betrunken war um “Nein” zu sagen, gnadenlos ausgenutzt. Im Klartext: Er hat sie vergewaltigt. Als sie irgendwann wieder bei unserer Gruppe aufgetaucht ist konnte sie nicht einmal sprechen, weil sie so sehr geweint hat. Aber sie will keine Anzeige erstatten, weil sie der Meinung ist, dass sowieso nichts passieren wird und weil sie nicht will, dass alle davon erfahren. Weil sie sich schämt.

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Für all diejenigen Menschen, die jetzt wieder mit “das sind nicht representative Einzelfälle” kommen – noch mehr Statistiken:

Fast die Hälfte der Frauen in Deutschland hat einer repräsentativen Umfrage zufolge sexuelle Belästigung erfahren. 43 Prozent der befragten Frauen gaben an, schon einmal sexuell bedrängt oder belästigt worden zu sein – bei den befragten Männern waren es zwölf Prozent. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur, an der Ende Oktober rund 2.000 Menschen teilnahmen.

und noch eine:

40% der Frauen in Deutschland haben seit ihrem 16. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt.

25% der in Deutschland lebenden Frauen haben Gewalt durch aktuelle oder frühere Beziehungspartner erlebt (häusliche Gewalt).

42% der in Deutschland lebenden Frauen haben psychische Gewalt erlebt, z.B. Einschüchterung, Verleumdungen, Drohungen, Psychoterror.

und ein Video:

[youtube https://www.youtube.com/watch?v=b1XGPvbWn0A&w=560&h=315]

Feminismus “jammert nicht herum” (wie es die Autorin eines Kommentars beschrieb) sondern fordert Respekt ein. Ein Respekt, der definitiv nicht gegeben ist, wenn man sich diese Zahlen ansieht. Wenn Frauen noch nie persönlich so etwas erlebt haben, ist das schön. Aber das heißt nicht, dass so etwas nicht existiert.

Ich habe meine eigenen Erfahrungen. Und ich bin kein Einzelfall. Und wenn ich dafür aufstehe, und Gleichberechtigung fordere, mir aber nur entgegnet wird, dass auch Männer diskriminiert werden (was wahr ist), dann hast du das eigentliche Problem nicht verstanden. Das Problem ist, dass Frauen immer noch mit vielen Problemen zu kämpfen haben. Fast alle Vergewaltigungsopfer sind Frauen oder Kinder. (Ja, auch Frauen können Vergewaltiger sein, auch Männer Opfer) In Zahlen: 94% weibliche Opfer; 6% männliche Opfer

Was man dagegen tun kann? Bringt euren Kindern, euren Mitmenschen Respekt bei. Hört auf Mädchen, die sich freizügig kleiden, als Schlampe zu bezeichnen. Hört auf über Jungs zu sagen “es sind halt Jungen” wenn sie sexistische Kommentare machen. Seid respektvoll im Umgang miteinander und erklärt Opfern, dass es niemals ihre eigene Schuld ist. Bringt solche Delikte zur Anklage. Diese Menschen haben es verdient, bestraft zu werden.

Enttäuschung

Weiß gar nicht so richtig, womit ich anfangen soll.
In meinem Kopf ist alles so durcheinander, alles geht so schnell.
Gedankengänge rasen zu schnell vorbei, als dass ich sie greifen könnte.

Was mir auf der Seele liegt? – Das kommt darauf an, an welchem Tag du fragst.

Gerade vor allem die Diskussion über Feminismus und die schreckliche Gesprächskultur im Internet. Wenn jemand nicht meiner Meinung ist, okay.

Nicht okay, wenn ich deswegen beleidigt werde.

Als hässlich, neidisch auf gut aussehende, untervögelt.
Wenn mir gewünscht wird, dass ich vergewaltigt werde, wenn mir gesagt wird ich würde Männer hassen und müsse mal wieder richtig durchgevögelt werden.

Vor diesen letzten 24 Stunden hielt ich solche Beleidigungen immer für komplett absurd und ich konnte mir nicht vorstellen, dass es im Internet tatsächlich Menschen gibt, die solche menschenverachtenden Äußerungen von sich geben. Ich wurde eines besseren belehrt.

Ich bin schon lange Feministin, ich wusste, es gibt Diskriminierung gegenüber Frauen, habe auch schon sehr viel in dieser Hinsicht erlebt. Das habe ich mir aber nicht allzu sehr zu Herzen genommen, da ich es eher als Ansporn verwendet habe, um allen zu zeigen, wozu ich in der Lage bin. Aber mehr dazu in einem anderen Post.

Ich habe vor nicht einmal 20 Stunden den Beitrag Aus gegebenem Anlass veröffentlicht und ich habe noch nie zuvor so viel Hate und negative Reaktionen erhalten. Gleichzeitig diskutierte ich auf Twitter mit einem anderen Mann, der der Meinung ist, dass Diskriminierung gegen Frauen nicht real ist. Auch in diesem Zusammenhang habe ich mich beschimpfen lassen müssen, sowie in zahlreichen anderen Diskussionen.

Ich habe auf eine sehr unangenehme Art und Weise gelernt, dass Deutschland noch sehr viel zu tun hat, wenn es darum geht, Männern und Frauen die gleichen Rechte und vor allem den gleichen Respekt zuzusprechen. Ich bin nun doch eher unbekannt mit meinen knapp 60 Followern auf WordPress und irgendwas um die 100 auf Twitter, und dennoch hat mich die Anzahl und Stärke der Hatecomments überrascht. Ich möchte mir gar nicht erst vorstellen, wie das bei bekannteren Blogger*innen oder Youtuber*innen sein mag.

Als ich den Autor eines Kommentars, der mich als “untervögelt” bezeichnete, darauf ansprach meinte er zum einen, dass ich mir das “nicht so zu Herzen nehmen solle” und dass er “an die Leistungsgesellschaft glaube, da gäbe es Respekt nicht für lau und lulu” – Ich wusste noch gar nicht, dass man sich das Recht, wie ein normaler Mensch behandelt zu werden, und nicht beleidigt zu werden, als erst erarbeiten muss.

Ich habe gelernt, was es heißt, Aktivistin zu sein. Es bedeutet, von fremden Menschen beleidigt zu werden und fast nur negatives Feedback zu erhalten. Es heißt aber manchmal auch, Menschen zum Umdenken zu bewegen.

Wenn es diese kleinen Momente des Triumphes nicht geben würde, wäre ich schon vor sehr langer Zeit verzweifelt. Leider überwiegt die negative Seite des Ganzen.

Als ich, als Frau, meine Meinung gesagt habe, hat ein eigentlich recht unkontroverser Beitrag für recht viele Reaktionen gesorgt. Und sofort gingen die frauenfeindlichen Kommentare los, denn Frau zu sein gibt anscheinend eine recht große Angriffsfläche.

Ich war immer der Überzeugung, dass Deutschland in Sachen Gleichberechtigung wirklich gut dabei ist, dass Frauen und Männer fast komplett gleichberechtigt sind. Aber diesen Eindruck muss ich nun revidieren, da man allein schon am Umgangston Frauen gegenüber merkt, dass viele Männer und auch Frauen andere Frauen nicht respektieren.

Warum ich mich über Sprache aufrege? Weil Sprache Macht besitzt. Sie beeinflusst unbewusst unser Denken, unser Verhalten. Wenn ich Frauen erzähle, sie sollen sich nicht so knapp anziehen, um nicht vergewaltigt zu werden, dann suggeriere ich damit gleichzeitig, dass es ihre eigene Schuld ist, wenn sie vergewaltigt wird. Wenn ich eine Frau, die sich für Frauenrechte einsetzt als “untervögelt, hässlich und verbittert” bezeichne, dann ziehe ich sie damit ins lächerliche und behaupte, es gäbe keine hübschen Feministinnen in heterosexuellen Beziehungen. Well guess what, viele meiner Freundinnen sind erstens Feministinnen, zweitens unfassbar hübsch und drittens in einer Beziehung. Aber gerade im Internet spielt Logik keine allzu große Rolle, die meisten Diskussionen werden von verblendeten Ideologien geleitet. Es muss schön sein, in deiner Filterblase zu leben, in der alle Menschen nur deine Meinung haben. Was ich nicht verstehen kann, ist wie Menschen nicht einmal versuchen können, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und sich in andere hineinzuversetzen. Stattdessen wird sofort angefangen zu beleidigen, und das auch meist völlig unter der Gürtellinie.

Ich bin enttäuscht von dem Land, in dem ich lebe und von den Menschen, die mit mir darin leben.

Was Feminismus eigentlich ist

Nachdem ich mich in den letzten Stunden mit sehr vielen negativen Reaktionen zu meinem letzten Beitrag Aus gegebenem Anlass befassen musste, habe ich entschieden, dem Thema Feminismus hier nochmal einen eigenen Beitrag zu widmen.

Ich war um ehrlich zu sein ein bisschen erstaunt, so viel negative Kommentare und Anfeindungen zu bekommen, da Feminismus in meinen Augen immer eine sehr positive Sache war, die eben genau gegen Diskriminierung gegenüber Frauen und Männern ist.

Was mir aber in den letzten Stunden so an den Kopf geworfen wurde, war nicht nur einfach ideologisch und beleidigend, sondern eben auch einfach von Unwissenheit geprägt.

Was ist Feminismus denn überhaupt? Kann und darf man das überhaupt unterstützen?

In meinen Augen, ja, man sollte es auch unbedingt.

Es geht im Feminismus nicht darum, Männer herabzuwürdigen oder -zusetzen, es geht darum, Frauen anzuheben, um sie auf die gleiche Ebene wie Männer zu bringen und dabei gleichzeitig Männer in anderer Hinsicht genauso anzuheben, wenn sie irgendwo schlechter gestellt sind, als Frauen.

Es geht um Gleichberechtigung beider Geschlechter, nicht darum, Frauen über alles zu stellen.

“Aber warum bist du dann nicht Equalistin?” – Aus dem gleichen Grund, warum es Black Lives Matter und nicht All Lives Matter heißt. Weil manche Menschen einfach noch mehr Unterstützung benötigen, als andere. Black Lives Matter bedeutet ja auch nicht, dass weiße Leben nicht oder weniger zählen.

Ich hoffe einfach, wir sind uns alle darin einig, dass Frauen in unserer Gesellschaft noch diskriminiert werden. Ansonsten verweise ich einfach mal auf verschiedene Posts in denen ich über meine persönlichen Erfahrungen spreche und empfehle zu googlen:

„Aber du bist doch ein Mädchen!“
hab einen Reichsbürger gefunden und vieles zu sagen
Es ist an der Zeit, sich wieder über Politik aufzuregen.

Diese Sammlung wird demnächst auch noch durch eine kleine Zitatesammlung an frauenfeindlichen Äußerungen erweitert, die ich mir in meinem bis jetzt doch recht kurzen Leben schon anhören musste.

Es ist eben nicht wahr, dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden.

Doch. Männer werden mehr diskriminiert.

Zumindest laut diesem Blogger.
Ja, auch Männer werden diskriminiert. Ob mehr oder weniger ist eine Frage der Perspektive, aus meiner heraus nicht, aber ich kann das auch schlecht beurteilen, da ich eine Frau bin und kein Mann. Aber ich erwarte von Männern auch genauso, dass sie sich nicht anmaßen, über die Diskriminierung Frauen gegenüber zu urteilen, denn genauso wenig wie ich das Leben eines Mannes miterlebe, erleben sie das Leben einer Frau.

Was ich weiß, ist dass Männer genauso in Geschlechterklischees und -rollen gefangen sind wie Frauen, und dass man dagegen etwas tun muss. Deshalb bin ich Feministin. Nicht, weil Frauen die armen Opfer sind, sondern weil Männer und Frauen endlich alle ohne Vorurteile und ohne Einschränkungen gleich behandelt werden sollten.


Ein paar Quellen:

http://www.zeit.de/arbeit/2017-11/sexuelle-belaestigung-arbeitsplatz-leserinnen

http://www.zeit.de/kultur/2017-11/sexismus-frauenfeinlichkeit-misogynie-kate-manne

http://www.hochschule-kempten.de/fileadmin/fh-kempten/FRAUBEF/Gleichstellung_an_der_Hochschule/Ringvorlesungen/Ganz_Reizwort.pdf

http://www.huffingtonpost.de/sabrina-hoffmann/krieg-gegen-frauen_b_8915716.html

http://www.fr.de/politik/gender/feminismus/frauenfeindlichkeit-ekel-vor-frauen-hat-tradition-a-1111122

 

Aus gegebenem Anlass

Feminismus.

Ich glaube es gibt kaum ein Thema, das so verbittert und hasserfüllt diskutiert wird wie Feminismus. Aber es ist so unfassbar wichtig, darüber zu reden.

Ich hasse es, mit Menschen zu diskutieren, die der Meinung sind, Feminismus wäre unnötig. So absurd es auch in meinen Ohren klingen mag, es gibt tatsächlich Frauen, die der Überzeugung sind, in Deutschland bzw in Westlichen Ländern allgemein gibt es keine Diskriminierung gegen Frauen.

Mein Vater sagt mir immer, ich solle gar nicht erst beginnen, mit solchen Menschen zu diskutieren, weil ich ihre Meinung sowieso nicht ändern könne aber ich will das nicht hinnehmen. Ich kann nicht akzeptieren, dass manche Frauen, die sich glücklich schätzen können, so privilegiert zu sein, blind gegenüber anderen Frauen in unserer Gesellschaft und deren Schicksalen sind.

Es ist eben nicht wahr, dass Frauen nicht mehr diskriminiert werden.

Ich erfahre Diskriminierung zwar nicht jeden Tag aber jede Woche mindestens ein Mal. Und das sind verschiedene Dinge, verschiedene Personen.
Gleichaltrige, Eltern meiner Freunde, Lehrer, Fremde, Bekannte.

 

Diskriminierung gegen Frauen, gegen Mädchen hat viele Gesichter.

Es beginnt im Kindergarten, wo Mädchen Prinzessinnen sein sollen und die Jungen die Ritter, die sie retten sollen.

“Kann ich auch ein Ritter sein, und die Prinzessin retten?” “Nein Klara, du bist doch ein Mädchen, du musst dich retten lassen.”

Wo uns schon im  beigebracht wird, dass Mädchen sich retten lassen müssen.

Diese ganze Gesellschaft macht so viele Dinge so verdammt falsch aber wenn du das ansprichst, dann “übertreibst” du.

Wenn jemand einen frauenfeindlichen / homophoben Witz macht und du dich wehrst kommt das “nichts darf man mehr sagen” und “political correctness ist so scheiße” Argument, das eigentlich keines ist.

Wenn dein Lehrer im Unterricht sagt “Die Mädchen interessieren sich sowieso nicht für Chemie” und “Die Mädels können halt einfach kein Mathe.” dann ist irgendetwas verdammt schief gelaufen.

Wenn ich dann aber auch noch mit einem privilegierten hetero cis Mann diskutieren muss, ob Diskriminierung gegen Frauen und die LGBTQ+ Community real ist, dann wird es langsam sehr sehr traurig.

Denn er ist der festen Überzeugung, es gäbe keine Diskriminierung in unserem Kulturkreis. Denn er hat noch nie etwas davon mitbekommen.

Wo sind wir gelandet, wenn ein Mensch nicht einmal mehr in der Lage dazu ist, sich in anderer Menschen Lage hineinzuversetzen und dem anderen zuzuhören, wenn er versucht, dir etwas zu erklären. Wenn Feministinnen als hässliche Frauen, die neidisch auf die hübschen sind, bezeichnet werden. Wenn Menschen, die gegen Diskriminierung aufstehen unterstellt wird, dass sie sich Dinge ausdenken, und sich in der Opferrolle inszenieren.

Ich lebe in einem Land, in dem es noch große Ungerechtigkeit und Diskriminierung gibt, aber ich hatte immer Hoffnung, dass es besser werden würde. Ja, es gibt jetzt die Ehe für alle, aber gleichzeitig eine Partei wie die AfD im Bundestag, die z.B in Thüringen die Homo- Bi- und Transsexuellen Menschen zählen lassen wollte.

Ist das noch mein Land?