Es ist genug, man selbst zu sein

Wenn man Social Media, vor allem Instagram, öffnet verblasst das eigene Leben und an dessen Stelle tritt scheinbare Perfektion. Durchtrainierte Frauen und Männer, perfekte Haare und wunderschönes Makeup, traumhafte Locations in der Karibik, gesunde oder zumindest perfekt angerichtete Mahlzeiten. Alles muss perfekt sein, das Licht, das Outfit, das Essen, das Gesamtbild deines Feeds.

Für eine lange Zeit habe ich keine Bilder von mir selbst auf Instagram gepostet, einfach weil ich keine Fotos hatte, die mit dieser scheinbaren Perfektion Schritt halten konnten. Auch meine Freundinnen und Bekannte hatten ihr perfekt wirkendes Leben auf Instagram dokumentiert, die gefühlt einzige Ausnahme war ich selbst.

Gestern war ein anstrengender, aber wahnsinnig wichtiger Tag für mich. Meine beste Freundin und ich sind mit meiner Kamera losgezogen, mit dem Ziel, Fotos zu machen. Es ist nicht einmal so, als würde ich mich vor einer Kamera unwohl fühlen, auch wenn ich das immer gerne behaupte. Der Punkt war eigentlich immer, dass ich dachte, man könne von mir keine schönen Fotos machen. Weil ich nicht diese langen Haare habe, die im Licht so schön aussehen, weil mein Gesicht nicht so symmetrisch ist, wie das von allen anderen ach so perfekten Menschen in meiner Umgebung. Früher habe ich es gehasst, fotografiert zu werden, sobald irgendwo eine Kamera aufgetaucht ist, habe ich mir die Hände vor mein Gesicht gehalten, um ja kein Bild zuzulassen.

Gestern war das anders, meine beste Freundin hat einige wirklich schöne Bilder von mir gemacht und als ich das erste davon gesehen habe, war ich ein wenig fassungslos. “Ich wusste nicht, dass ich so hübsch aussehen kann” war die erste Reaktion.

Ich frage mich, ob ich damit alleine bin, aber ich bezweifle es um ehrlich zu sein. Es gibt so viele Menschen wie mich da draußen, die nicht das Gefühl haben, “hübsch” zu sein. Klar, innere Werte zählen, Äußerlichkeiten sind unwichtig, aber was wichtig ist, ist Selbstbewusstsein. Und wenn man sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, dann leidet man darunter. Wenn man das ganze aber anspricht, dann wird einem meist sofort vorgeworfen, dass man nur Komplimente bekommen möchte. Es gibt sicher solche Menschen, doch die meisten sagen nur ihre ehrliche Meinung.

Ich war immer der Meinung, dass ich einfach durchschnittlich war, nicht besonders hübsch, nicht besonders hässlich, einfach normal. In den letzten Jahren habe ich mehr oder weniger sanft gelernt, dass jeder auf seine eigene Art schön ist, und dass man lernen sollte, sich selbst zu lieben. Deswegen auch das Experiment mit den Fotos, das so viel besser gelaufen ist, als erwartet. Ich bin sehr froh, dass ich das geschafft habe, und es fühlt sich toll an, diese Überwindung aufgebracht zu haben. Denn ich weiß jetzt, dass es meistens genug ist, man selbst zu sein.

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