Alles bleibt so, wie es ist.

Alles bleibt so, wie es ist.

Sie haben die Macht zu verletzen, zu heilen, zu töten. Worte sind die mächtigsten Waffen und die erfolgreichsten Heilmittel zugleich auch wenn sie zu selben Zeit so unfassbar bedeutungslos sein können, wie ein Tropfen Wasser in der Hitze der gesellschaftlichen Debatte.

So auch die Reden unsere Politiker, Worte gebadet in Gold, und doch am Ende des Tages nichts wert. Ein Goldstück entpuppt sich plötzlich als wertlose Karnevalsattrappe, das Gold nur eine billige Hülle, die die nicht einmal gute Schokolade darunter verbirgt.

Manchmal muss man sich als jugendlicher Mensch sehr anstrengen, um angesichts der Bedeutungslosigkeit unserer Stimmen nicht zu verzweifeln, um nicht aufzuhören, für seine Rechte zu kämpfen und um nicht einfach zu resignieren.

Wenn wir unseren Blick nach Amerika wenden, so sehen wir die Überlebenden von Parkland, die auch jetzt noch, Monate nach dem Massaker an ihrer Schule, für verschärfte Waffengesetze kämpfen, auch nach den weiteren Schießereien, die seither stattgefunden haben. Erst diese Woche veranstalteten sie ein „die in“ in einer Supermarktkette, welche Geld für den Wahlkampf eines Kandidaten gespendet hatte, welcher durch die NRA unterstützt wird. Eben jener Supermarkt hat nun angekündigt, politische Spenden bis auf weiteres auszusetzen und seine Spendenpolitik zu überdenken – Ein Sieg also, wenn auch ein relativ kleiner, denn bis jetzt hat sich die Debatte in Amerika kein Stück bewegt und die Regelungen zum Waffenverkauf wurden kein bisschen verschärft. Diese letzte Aktion der Aktivisten zeigt jedoch, dass ihre Stimme nicht immer einfach überhört wird, dass sich tatsächlich etwas verändern kann, wenn auch sehr langsam.

In unserem Land, auch wenn ich diese Formulierung recht ungern verwende, da ich mich nicht mit einem Land identifizieren kann und möchte, in dem rechte Parteien wie die AfD wieder so stark geworden sind, in einem Land in dem Vergewaltigungsopfer oft nicht ernst genommen werden, in dem ein bisschen Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und Sexismus völlig normal und noch immer gesellschaftlich akzeptiert sind, verändert sich jedoch nichts. (Oder zumindest nicht zum Besseren.) Vorurteile und veraltete Mechanismen bleiben immer weiter bestehen, Feindlichkeiten (egal in welche Richtung) werden wieder salonfähig gemacht und als Aktivist ist man angesichts dieser ausbleibenden Veränderung oft kurz davor einfach aufzugeben.

Als politisch aktiver Mensch fühlt es sich so an, als würde man wieder und wieder gegen eine Wand rennen, gefestigt durch Jahrzehnte voller Vorurteile und Untätigkeit und nun verstärkt durch aggressive Rhetorik und dem angeblichen „Kampf gegen die politische Korrektheit, die einem den Mund verbieten will“. Anscheinend darf man ja jetzt „nichts mehr sagen“, weil alles ja gleich sexistisch oder rassistisch ist, obwohl du es ja „nicht so gemeint“ hast. Ich weiß zwar bis heute nicht, warum der Unterschied zwischen „flirten“ und „Übergriffigkeit“ nicht für alle Menschen klar erkenntlich ist, aber im Zweifelsfall hat ein „Ist das ok für dich?“ noch nie die Stimmung gekillt. So schwer ist das Ganze also nicht, Konsens heißt das Ganze übrigens, ist auch nicht wirklich ein neues Konzept und nein, schriftlich braucht man es auch nicht.
Ist es außerdem zu viel verlangt, rechte und andere politisch motivierte Straftaten konsequenter zu verfolgen und Opfer von Vergewaltigungen und Missbrauch ernst zu nehmen? Ist es zu viel verlangt, konsequenter gegen Schwulenfeindlichkeit, Sexismus und Diskriminierung vorzugehen und vor allem in der Jugend stärker aufzuklären? Ist es zu viel verlangt, dass der bayerische Staat seine absolute Neutralität in Religionsfragen beibehält?

All diese Forderungen sind nicht neu, nicht aus der Luft gegriffen und auf keinen Fall unmöglich zu erfüllen. Man müsste sich halt mal anstrengen, Politik für alle zu machen und nicht nur am rechten Rand auf Stimmenfang zu gehen, der die Parteien der „Mitte“ sowieso nicht wählen würde, egal wie viele Kreuze wir in Behörden hängen und welche Freiheitsrechte wir noch weiter beschränken.

Aber alles was wir bekommen sind leere Worte, aufgebläht, wohlklingend und so nichts sagend wie ein leeres Blatt Papier. Eines kann man jedoch auch aus den kunstvollsten Wortgebilden mit ihren Prä- und Suffixen immer noch herauslesen: Alles bleibt so, wie es ist.

 

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