Meister der Prokrastination

Meister der Prokrastination

Der Mensch ist schon ein wundersames Wesen, er kann so viel gleichzeitig tun, das Gesamtbild betrachten, die Zukunft planen und sich an die Vergangenheit erinnern.

Wenn ein größeres Projekt ansteht sind wir dazu in der Lage, im Voraus zu planen, wann wir daran arbeiten werden, wie wir die Arbeitslast aufteilen und was die besten Strategien sind. Alles kein Problem also, selbst eine ganze Menge Arbeit wird so in kleine, machbare Portionen aufgeteilt.
Ja, alles kein Problem, wäre da nicht ein kleiner Teil in unserem Gehirn, der sich jedes einzelne Mal, wenn wir eigentlich mit der Arbeit beginnen wollen, der Aufgabe widmet, die sinnlosesten Informationen herauszukramen und mindestens eine Stunde über die verschiedensten Dinge zu sinnieren. Eine dieser interessanten Fragen ist zum Beispiel, ob man, wenn man in die Vergangenheit reist und seine eigene Geburt verhindert, nicht doch trotzdem geboren werden müsste, weil man, weil man ja dann nicht existiert, nicht verhindern kann, dass man geboren wird. Das ist nur eines der Dinge, über die ich nachdenke, wenn ich eigentlich an etwas anderem arbeiten sollte. Blogposts zum Beispiel, oder Hausaufgaben, meist jedoch, wenn ich mich auf eine Klausur vorbereiten sollte. Mein Gehirn ist ein Experte darin, sich solche Dinge auszudenken und sich fundamentalen Fragen des Mensch-Seins zu widmen und es läuft zu Höchstleistungen auf, wenn ich gerade beginnen will, zu arbeiten.

Der natürliche Arbeitsverlauf eines prokrastinierenden Menschens

Wir wissen alle, wie eine normale Arbeitslasts-Kurve aussehen sollte: Alles gleichmäßig verteilt, am Ende vielleicht ein bisschen mehr.
Bei Prokrastinierenden sieht das leider nicht ganz so hübsch gleichmäßig aus – eigentlich ist es überhaupt nicht gleichmäßig.

Ungefähr so sieht es bei mir jedes Mal aus, wenn ich irgendetwas abgeben muss. All die Wochen davor denke ich mir immer „Ach ich habe ja noch so viel Zeit, ich kann ja auch morgen noch anfangen. Alles kein Stress.“ Der Punkt ist nur, dass ich mir das jeden einzelnen Tag denke und mich dann in den verschiedensten, eigentlich sinnlosen, Tätigkeiten verliere, die Zeit vorbeigeht und nichts passiert. Und dann, eines Tages, wacht in meinem Gehirn ein Panikmonster auf, das gerade realisiert hat, dass die Deadline in drei Tagen ist und ich mit meinem Essay noch nicht einmal angefangen habe – das ist dann der Moment, in dem ich außer Essen und eventuell Schlafen nichts anderes mehr mache, als an dem aktuellen Projekt zu arbeiten.

Ohne diese Panik, die mich immer kurz vor Abgabeschluss ergreift, würde ich vermutlich nie etwas fertig bekommen – gut also, dass es das Panikmonster gibt.

Warum wir nicht einfach „dazulernen“

Es funktioniert einfach so gut. Eine meiner Freundinnen hat das Prokrastinieren perfektioniert und im Endeffekt mit einem Schnitt von 1,0 ihr Abitur gemacht. Ich glaube zwar nicht, dass das entspannend war sondern im Endeffekt ein riesiger Stress, aber naja – Es zählt ja doch irgendwie im Endeffekt nur das Ergebnis.

Außerdem: Warum sollte ich denn mehr Zeit als unbedingt notwendig mit Dingen verbringen, die mir keinen Spaß machen? Wenn ich alles bis zu letzten Minute aufschiebe, habe ich logischerweise auch weniger Zeit zur Verfügung, um mich damit auseinanderzusetzen. Meistens ist das, was dabei entsteht, auch nicht unbedingt von schlechter Qualität. Klar, es wäre vermutlich besser geworden, hätte ich mir drei Wochen anstatt von drei Tagen dafür Zeit genommen, aber der Wikipedia-Eintrag über Schwarze Löcher war einfach interessanter. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch genügend Zeit – so wie an all den Tagen danach.

Abgesehen davon hat niemand so ein großes Allgemeinwissen, wie prokrastinierende Menschen, denn wer sonst wüsste sonst schon etwas über Wirbelstrombremsen?

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