“Heutzutage reicht es für das Abitur, den Taschenrechner bedienen zu können” oder “Wie Menschen, die seit Jahrzehnten in keiner Schule mehr waren, sich ein Urteil bilden.”

Das Matheabitur ist in Bayern jetzt knapp 11 Tage her und noch immer ist die Empörung über den angeblich zu hohen Schwierigkeitsgrad groß. Schüler*innen – und das nicht nur in Bayern – haben Petitionen an ihre jeweiligen Kultusministerien gestartet, die in Bayern wurde bis heute von mehr als 72.000 Menschen unterzeichnet.

Doch während Abiturient*innen sich echauffieren und versuchen zu erklären, was genau denn an den Aufgaben so schwierig war, nehmen viele Journalist*innen dies als Gelegenheit, sich über die “Generation Schneeflocke” lustig zu machen. 
Hans Kratzer titelte in der SZ gar “Matheschwäche gilt heute beinahe als Verdienst” und erfährt damit auch gar nicht mal so wenig Zustimmung. Weiter heißt es bei ihm “Das Abiturzeugnis erhalten nun auch jene, die lediglich den Taschenrechner bedienen können.” und “Das Fach Mathematik wurde im Gymnasium nach und nach auf ein unteres Grundkursniveau heruntergedimmt. Es ist schon längst kein Angstfach mehr, […].”
Angesichts dieser Aussagen muss ich nun doch fragen, wann der werte Hans Kratzer zum letzten Mal den Mathematikunterricht, vor allem den bayerischen, besucht hat. Mathe ist kein Angstfach mehr? Das soll er doch bitte einmal den Schüler*innen erzählen, die regelmäßig beim Gedanken an das Matheabitur in Tränen ausgebrochen sind.

Bei großen Teilen der Debatte frage ich mich, ob die Journalist*innen und Politiker*innen sowie die selbsternannten Spezialist*innen nicht doch den Kernpunkt verfehlen. Viele große Medienhäuser, die über das Abitur berichteten, ließen einige Aufgaben vorrechnen, bekleckterten sich dabei allerdings nicht mit Ruhm, was die journalistische Sorgfaltspflicht betrifft.
Die SZ beispielsweise ließ einen ihrer Redakteure eine Aufgabe vorrechnen und untertitelte das mit “Wer die Aufgaben allerdings nachrechnet, merkt sehr schnell: Das war alles machbar.” Welche Aufgabe sie vorgerechnet haben? Die einfachste. So einfach kann mensch es sich natürlich auch machen.

Es ist aber auch viel einfacher, die Abiturient*innen als sensible Schneeflocken darzustellen, anstatt über das eigentliche Problem zu sprechen: Das Abitur ist ungerecht und das nicht nur in Bayern sondern in ganz Deutschland. Ungerecht, da das Elternhaus immer mehr über den schulischen Erfolg bestimmt, ungerecht, da jedes Bundesland unterschiedliche Anforderungen an seine Abiturient*innen stellt, ungerecht, da die verschiedenen Abiture nicht miteinander verglichen werden können.

Aber ja, ich kann verstehen, dass mensch die Beschwerden der Abiturient*innen lieber ins Lächerliche zieht (wie z.B. mit der Ankündigung von “Mondays für Abitur”) anstatt sich mit den eigentlichen Problemen des deutschen Bildungssystemes auseinanderzusetzen. Oder sind es doch die der 16 deutschen Bildungssysteme?

Der “Spaß-Tüv” – Sind jetzt etwa alle Witze verboten?

Karneval, Narrenzeit. Die Zeit, in der unter dem scheinheiligen Mantel der Narrenfreiheit so manche Dinge gesagt und Hiebe unter der Gürtellinie ausgeteilt werden. Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich mit einem “Witz” über das dritte Geschlecht gehörig in die Nesseln – und das zu Recht.

“Wer war denn von Euch vor kurzem mal in Berlin? Da seht ihr doch die Latte-Macchiato-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einführen. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder noch sitzen müssen. Dafür, dazwischen, ist diese Toilette.”

Das verkaufte Kramp-Karrenbauer während ihrem “satirischen” Auftritt am Donnerstag im baden-württembergischen Stockach am Bodensee als Witz, denn im Karneval darf man ja anscheinend auch Dinge, die normalerweise nicht erlaubt sind. Andererseits, bei AKK wäre es auch keine Überraschung gewesen, wenn sie eine Äußerung wie diese in einer ihrer ganz normalen Ansprachen gemacht hätte. Schließlich fiel sie schon oft durch ihren sehr konservativen Standpunkt zur gleichgeschlechtlichen Ehe auf, die sie mehrmal in die Nähe von Inzest und Polygamie gerückt hatte.

Das gesamte Internet – vorrangig Twitter – fand ihren “Witz” auch überhaupt nicht witzig und so forderten einige namhafte Blogger*innen und Politiker*innen (so unter anderem Sven Lehmann und Jens Brandenburg) Entschuldigungen von ihr, während Ralf Schuler von der Bild lieber fragte, was die ganze Aufregung denn eigentlich sollte. Schließlich ist ja Karneval und ein “Karneval der Korrekten” wäre ja auch wahnsinnig langweilig.

Stimmt schon, worüber sollen privilegierte, weiße, cis und heterosexuelle Menschen denn eigentlich noch lachen, wenn nicht über Frauen, Homo-,Trans- und Intersexuelle oder andere marginalisierte Gruppen? Witze sind ja nicht witzig, wenn alle lachen können; für mindestens eine Bevölkerungsgruppe muss so ein richtiger Witz unbedingt beleidigend sein, sonst qualifiziert er ja nicht als witzig. – Zumindest ist das das Gefühl, das mensch bekommt, wenn es Kommentare wie den von Ralf Schuler liest, der das Konzept von Witzen anscheinend nicht ganz verstanden hat.

Wir kennen das ja, als Kind macht mensch gerne mal böse Kommentare, die wir dann auch noch witzig fanden, schließlich konnte mensch ja selbst drüber lachen. Und dann bringt dir eine*r Erwachsene*r auf mehr oder weniger schonende Art und Weise bei, dass Dinge eigentlich nur dann witzig sind, wenn jede*r darüber lachen kann. Bei unserer Gesellschaft und jetzt gerade Annegret Kramp-Karrenbauer bekommt mensch immer öfter das Gefühl, dass so manche*r diese Person in ihrer Erziehung nicht hatten, die einem*r beibrachten, dass es nicht witzig ist, sich auf Kosten anderer einen “Spaß” zu erlauben sondern einfach unangebracht und unhöflich.

Im Karneval ging es ursprünglich einmal darum, sich über Herrschende lustig zu machen, Machtstrukturen aufzuzeigen und ins Lächerliche zu ziehen und nicht darum, noch einmal nach unten zu treten und es damit denen, die es sowieso schon schwer hatten, noch schwerer zu machen.

Aus Schülersicht: Gymnasien in Bayern

Symbolbild. Quelle: Pixabay

Bayern und sein Schulsystem, oft über den grünen Klee gelobt und von Menschen in ganz Deutschland als besonders schwierig aber gleichzeitig besonders gut betrachtet. Schulen in Bayern sind gut ausgestattet, die Lehrer*innen gut ausgebildet und der Weg zum Abitur viel schwieriger als in anderen Bundesländern. Oder zumindest heißt es das immer.

Aber wie viel ist da wirklich dran? Sind die bayerischen Schüler*innen wirklich so viel besser als die im Rest von Deutschland? Sind die Schulen besser ausgestattet und der Stoff schwieriger?

Zunächst muss erwähnt werden, dass Bayern jetzt gerade wieder den Wechsel zwischen dem G8 und einem neuen G9 durchmacht, was zumindest aus meiner Perspektive wenig sinnvoll erscheint. Als Schülersprecherin hatte ich einige Monate vor der Entscheidung über das G9 die Möglichkeit, mit einem Mitglied des bayerischen Bildungsausschusses zu diskutieren, der uns mitteilte, dass der Lehrplan für das neue G9 und das eigentliche Konzept noch nicht einmal im entferntestem feststünde und die Politiker*innen somit auf bloßer Grundlage ihres Bauchgefühles entscheiden müssten. Einige Wochen später wurde dann die endgültige Entscheidung getroffen: Das G9 wird in einer neuen Form wieder eingeführt. Es ist zweifelhaft, dass das neue G9 die Situation der Schüler und Schülerinnen wirklich verbessern wird, da erst die Oberstufe so richtig stressig wird und genau das der einzige Teil ist, der nicht verändert werden wird. Es ist logisch, dass viele Schüler*innen auch in unteren Jahrgangsstufen Schwierigkeiten haben, Schritt zu halten. Nichtsdestotrotz ist die Oberstufe noch einmal etwas komplett anders und wie viele andere fühlte ich mich zu Beginn ins kalte Wasser geworfen, da der Kontrast zwischen zehnter und elfter Klasse ziemlich stark ist; und dass, obwohl ich eigentlich eine sehr gute Schülerin bin.

Das Schulsystem basiert bist jetzt auf reinem Frontalunterricht und darauf, wie schnell du Dinge auswendig lernen kannst. Das (bayerische) Gymnasium in seiner jetzigen Form hat nicht mehr allzu viel mit der Intelligenz der Schülerschaft, sondern mit deren Anpassungsfähigkeit an das System zu tun. Lehrer*innen, die Schüler*innen helfen sich Informationen selbst zu erarbeiten, die ihr Interesse in den Fächern wecken und zur selbständigen Arbeit ermuntern sind leider eher die Seltenheit. Stattdessen bekommt mensch so gut wie in allen Fächern einen vorgekauten Brei an die Tafel geschrieben, den mensch auswendig lernen muss und wenn mensch mit dieser Art des Unterrichts nicht arbeiten kann, hat man einfach Pech gehabt. 

In diesem Jahr hatte ich das Glück einige Lehrer*innen zu haben, die das eben nicht so machen, sondern jedem*r Schüler*in dabei halfen, sich Informationen selbst zu erarbeiten und danach gemeinsam mit den anderen zusammenzufassen und darüber zu diskutieren. Diese Lehrer*innen sorgen dafür, dass mensch damit beginnt, sich selbstständig mit dem Stoff auseinanderzusetzen und sich auch außerhalb des Unterrichts damit zu beschäftigen. Sie sorgen dafür, Schüler*innen zu eigenständigen und überlebensfähigen Menschen zu erziehen, die nicht nur darauf angewiesen sind, dass ihnen jemand das Wissen häppchenweise serviert. Denn das wird im späteren Leben auch niemand mehr tun.

Gleichzeitig wird von Lehrer*innen mehr und mehr das Bild einer angeblichen „Bildungselite“ vermittelt. Angeblich sind die Gymnasiast*innen nämlich die Intelligentesten und Schüler*innen anderer Schulformen im Allgemeinen dumm. Kommentare wie „Ja, dann mach halt den Quali noch nebenbei, wenn du das Gymnasium nicht schaffst ist das deine Absicherung und den schafft mensch mit links“ vermitteln ebenfalls ein falsches Bild der Bildungsqualität anderer Schularten. Der Stoff dort ist nicht unbedingt einfacher, sondern vielleicht einfach anders. 

Gymnasien in Bayern zeichnen sich jedoch noch durch andere Arten der Intoleranz aus, nicht nur gegenüber anderer Schularten sondern auch gegenüber anderer Religionen sowie Lebensstilen. Homophobe sowie sexistische Kommentare sind keine Seltenheit und einfach unangebracht. Hier ist es auch keine Seltenheit, dass Kruzifixe im Klassenzimmer hängen, genauso wie abfällige Bemerkungen über den Islam im Unterrichtsgespräch. Gleichzeitig ist es schwierig eine eigene Meinung im Unterricht zu vertreten ohne zu riskieren, als „Feminazi“ abgestempelt oder mit dem „Political Correctness ist so überbewertet“ Argument zum Schweigen gebracht zu werden. 

Jede*r Lehrer*in ist auch nur ein Mensch und vertritt deswegen logischerweise auch seine eigene Meinung aber es ist unangebracht, solche Dinge vor Schüler*innen zu sagen. Meist entwickeln die Schüler gerade in diesem Alter ihre Persönlichkeit und finden mehr über sich selbst und ihre Sexualität heraus. Wenn mensch in diesem Alter das Bild vermittelt bekommt, dass es nicht normal ist, homosexuell oder einfach nicht hetero und cis zu sein, dann kann das zu Unsicherheit, Selbstzweifel und -hass führen. Intoleranz, die in der Schule vermittelt wird, wird sehr oft einfach in die eigenen Überzeugungen und Moralvorstellung übernommen, da mensch davon ausgeht, dass die Lehrer*innen sich auskennen und für viele eine Art Vorbildfunktion erfüllen. Es ist für Jugendliche schwierig, aus diesem Denken wieder herauszukommen

All das sind Punkte, die sich dringend ändern müssen, aber allein dadurch, die Schulzeit wieder auf neun Jahre zu verlängern wird sich überhaupt nichts verändern. Was wir brauchen ist eine Überarbeitung des Konzeptes, um jeden Schüler optimal fördern zu können. Wir sollten nicht mehr nur bloßes Wissen sondern auch Kompetenzen und die Fähigkeit, Dinge zu begreifen und sich selbst beizubringen, lehren. Das G8 an sich war nichts Schlechtes per se, aber die Umsetzung in manchen Aspekten katastrophal. Deshalb sollte mensch daran arbeiten, dieses Konzept zu perfektionieren, anstatt wieder komplett bei Null anzufangen.

Aber das ist nicht öffentlichkeitswirksam und wird garantiert keine Wähler*innenstimmen bringen, denn die Überarbeitung und Perfektionierung eines bereits vorhandenen Systemes braucht seine Zeit und ist nicht dafür geeignet, zu kurz gedachte Wahlversprechen zu erfüllen. Würde mensch die Schüler*innen einfach mal nach ihrer Meinung fragen, danach fragen, wie mensch Schule besser machen kann, so würde mensch sich vermutlich einige Mühen sparen. Aber Schüler*innen sind nunmal nicht Wähler*innen und ihre Meinung somit nicht relevant genug.

“Die wollen nur schwänzen”

Foto: Tobias Kohler

Seit einigen Wochen beschäftigt eine Jugendbewegung Europa, die Politik und die Medien: Fridays for Future ist die Klimagerechtigkeitsbewegung, die die Politik dazu auffordert, endlich zu handeln.

Ihre Forderungen in Deutschland sind einfach und präzise: Ein Kohleausstieg bis spätestens 2030 und eine echte, globale Zukunftspolitik.

Aber anstatt sich mit den Forderungen von Fridays for Future und den Berichten von Wissenschaftlern und Organisationen wie z.B. der IPCC auseinanderzusetzen, diskutiert mensch darüber, ob Schüler*innen überhaupt streiken dürfen, oder ob das als “schwänzen” gilt. Schließlich sind sich ja alle einig, dass Schüler*innen alles nur Menschenmögliche tun würden, um nicht in die Schule zu gehen.

Klar. Sie wollen nicht in die Schule und deswegen gehen sie freitags zuerst in die Schule und dann demonstrieren – und das länger, als sie jemals Unterricht hätten. Also ganz im Ernst, wer keine Lust hat, in die Schule zu gehen, der/die meldet sich einfach krank und bleibt zuhause, anstatt Konsequenzen wie Bemerkungen im Zeugnis oder Verweise in Kauf zu nehmen.

Uns Schülern geht es nicht darum, nicht in die Schule zu gehen. Glaubt mir, ich würde auch lieber für meine vier Unterrichtsstunden am Freitag in der Schule sitzen und auf den Beginn des Wochenendes warten, anstatt demonstrieren zu gehen und die ganze kommende Woche darauf zu warten, welche Konsequenzen mich jetzt ereilen werden. Aber das ist keine Option mehr. Wir gehen jetzt auf die Straße, weil wir keine andere Möglichkeit mehr haben. Wir sind die Generation, die die Konsequenzen eures Handelns tragen werden. Unsere Kinder sind diejenigen, die vielleicht nicht mehr auf dieser Erde leben werden können.

Es geht nicht darum, ob Schüler*innen streiken “dürfen”, oder ob das als schwänzen gilt, es geht nicht darum, ob wir zu viel Stoff verpassen oder ob das Demonstrieren nur eine Ausrede ist, um nicht in die Schule gehen zu müssen. Die Frage ist nicht, wie die Kultusministerien mit den streikenden Schüler”innen umgehen und welche Konsequenzen angemessen sind. Es geht darum, endlich zu handeln und gegen den Klimawandel, die größte Bedrohung der Menschheit, vorzugehen.

Die Zeit des Handelns ist jetzt, die Jahrzehnte des Nicht-Handelns haben uns keine andere Wahl mehr gelassen.
Wir – müssen – streiken, bis ihr handelt.


Früher war sogar die Zukunft besser

Kennt ihr das auch, diese Momente wenn wieder einmal jemand weit jenseits der 60 sagt:
„Ja früher, da war alles besser“
und ihr euch fragt, was ihr euch jetzt wieder anhören müsst.
Ihr verdrückt euch dann einfach nur gequält das „Einfach mal die Klappe halten?“ 
und macht euch bereit, eure Ohren für die nächsten zehn Minuten auf Durchzug zu
schalten.
Ihr hört euch an,
was früher alles besser war, als man noch alle hieß und frau das mit sich machen ließ,
als die Jugendlichen noch Anstand hatten und nicht wie Ratten an
festen Fundamenten nagten, unrealistische Ideale jagten
oder durch Streiks Politiker plagten, während diese in Marmorgebäuden tagten
und darüber sprachen
wie man unsere Zukunft am besten ignorieren und
die öffentliche Meinung kontrollieren konnte, möglichst ohne was zu reformieren.
Nein, früher, da tat mensch was er sollte,
Kinder kriegte frau allerspätestens mit dreißig,
mann arbeitete fleißig oder behauptete das zumindest,
wenn er abends nach Hause kam
und sich aufregte,
warum das Essen noch nicht auf dem Tisch stand,
schließlich hatte frau ja nichts besseres zu tun als gespannt
auf ihn zu warten und falls dieser einmal früher heimkam,
eine Ausrede zu finden und
in die Küche zu verschwinden.
Früher, ja da
waren Kinder noch wichtig,
mensch lernte sich nicht auf Tinder kennen,
sondern im richtigen Leben
und den Segen der Kirche erhielten nur richtige Paare,
und jetzt, Jahre später können sogar diese diese diese andren da heiraten.
Ja was denn, das wird man ja wohl noch sagen dürfen,
und dann platzt dem Unschuldsbürger gleich der Kragen vor so viel political correctness,
nichts
darf man mehr, alles ist verboten und diese Idioten in der Regierung
machen auch nur leere Versprechen, lassen sich dann bestehen und belächeln den
armen Bürger
von oben während sie sich selbst für ihre Ideen loben –
und sowas gab schlicht und einfach es früher nicht!
also zumindest sagen sie das immer und
es stimmt schon, früher war so manches besser,
denn früher war die Welt noch in Ordnung
es gab Kinderserien wie Löwenzahn oder die Sendung mit der Maus
und heutzutage schrein alle nur „Ausländer raus”
weil wir ja keine anderen Probleme haben
aber trotzdem hat jeder Möchtegernweltverbesserer ja hier was zu sagen und das
schlimmste,
ja das schlimmste daran ist,
dass die Menschen nicht einmal den Weltverbesserern zuhören sondern den
Ich-nehm-mir-die-Welt-und-die-anderen-sind-schuld-wenns-nicht-funktioniert-sagern
gegen die man nichts tun kann oder will
denn es ist ja so viel bequemer, einfach nichts zu tun,
zuzusehen wie alles den Bach runtergeht
bis die Welt aus unbewohnbaren Wüsten besteht,
jede Aussicht auf Besserung vergeht,
und dann zu sagen: „Ich hab das alles nicht gewusst.“
Ja ist schon klar, dass du das nicht wusstest,
wenn deine einzige Informationsmedien Snapchat und Instagram waren,
oder eben Zeitungen, bei denen du sofort „LÜGENPRESSE“ geschrien hast,
sobald dir was nicht gepasst hat,
du fast alle deine Morgen, Nachmittage und Abende damit verbracht hast,
Serien zu bingen auch wenn Netflix dich sowieso freundlicherweise alle zwei Stunden
gefragt hat
„Bist du noch wach?“
Und ich mich frage: „Warst du je wach?“
Waren wir je wach wenn wir an diesem Punkt angelangen konnten,
an dem wir uns weiterhin unter Ozonlöchern sonnten,
ohne nach den Konsequenzen zu fragen,
und wir bis jetzt nichts getan haben?
Klar, jetzt können wir immer noch sagen: „Wir haben das alles nicht gewusst“
aber es ist halt einfach gelogen.
Wir wissen Bescheid, wissen es schon so lange und doch interessieren wir uns nur für
andere Belange, die eigentlich so belang-los sind.
Aber das ist egal, denn „Geld regiert die Welt“
und wir lassen es regieren,
denn wer will denn etwas ändern,
wenn man keinen Profit daraus schlagen kann –
vertagen wir doch den Moment in dem wir uns endlich mit dem Problem befassen –
in dem vollen Bewusstsein, dass kommende Generationen uns hassen werden,
wenn wegen uns Arten sterben, Pole schmelzen und Städte versinken
während wir uns jedes Wochenende besinnungslos trinken
anstatt uns mit der Realität zu auseinanderzusetzen.
Die Frage ist nur, warum das so ist,
weil wir „es nicht gewusst“ haben oder es nicht wissen wollten,
weil wir es wussten und es uns egal war
oder weil es einfach bequemer war, Jahr für Jahr zu sagen:
„Quatsch, gibt es nicht, haben die anderen erfunden“ oder „Ich war gerade da und da
und da, da lag noch Schnee und das, das ist der Beweis, dass es den Klimawandel nicht
gibt!“
und somit Bequemlichkeit über gesunden Menschenverstand siegt,
weil wir sie siegen lassen.
Jedes Mal wenn jemand sagt: „Ja früher, da war alles besser“
will ich erst einmal lachen.
Und dann, dann denke ich an diese eine Sache, die früher einfach besser war.
Und ob das wahr ist oder nicht, das liegt an uns
Denn, früher war sogar die Zukunft besser. –
Da hatten sie nämlich noch eine.

Kämpfen wir für unsere?

Es lohnt sich, nicht aufzugeben

Ich weiß ich weiß, es ist so viel einfacher, einfach aufzugeben, einfach im Bett liegen zu bleiben anstatt wirklich das zu tun, was man ursprünglich einmal wollte.

Noch einfacher als aufzugeben ist es allerdings, gar nicht erst anzufangen, weil man sowieso davon überzeugt ist, dass man es gar nicht schaffen kann, selbst wenn man es noch so sehr versuchen würde. Diese Einstellung ist das, was uns von unseren Träumen trennt, was sie dazu verdammt, auf ewig ein Traum zu bleiben, anstatt zur Realität zu werden.

Vor circa 6 Monaten, genauer gesagt im April, habe ich wieder begonnen zu Laufen, ursprünglich deshalb, weil mein Arzt mir das zur Migränevorbeugung so verordnet hatte. Und ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich festgestellt, dass ich im Laufen eigentlich gar nicht so schlecht bin…. und dann habe ich mir ein Ziel gesetzt: Einen Halbmarathon zu laufen.

Gesagt, angemeldet und dann realisiert, was ich mir da eigentlich vorgenommen hatte. Was auf mich zu kam war eine lange Trainingsphase, da es von 3km leider noch ein langer Weg bis zu den 21km war. Während dieser Trainingsphase war ich so oft so kurz davor, einfach hinzuschmeißen, einfach aufzugeben. Morgens um 5.00 Uhr aufzustehen, um Laufen zu gehen, ein Treffen mit Freunden ausfallen lassen, um Laufen zu gehen, nicht mehr wegzugehen – und wenn doch, dann nüchtern zu bleiben – um am nächsten Tag Laufen zu gehen.

Komische Blicke von anderen kassieren, weil man Dinge ablehnt, manche Sachen nicht mehr isst, plötzlich Proteinshakes in der Schule dabeihat oder die Schokolade ablehnt, um dann seine Haferflocken zu essen – Mittlerweile komplett normal.

Und jetzt, zwei Wochen nachdem ich das erste Rennen meines Lebens gelaufen bin, fühlt es sich plötzlich verdammt seltsam an, kein festes Ziel mehr vor Augen zu haben. Da fragt man sich dann im Nachhinein, wofür man das Ganze jetzt eigentlich gemacht hat.

Und dann, dann erinnert man sich an das erste Mal in der Sportumkleide zurück, als dich jemand neidisch ansah und dann anmerkte dass man das ja “krass sieht, dass du jetzt so viel Sport machst.” Du erinnerst dich an das Gefühl, wie es war, diese Distanz zum ersten Mal geschafft zu haben, seine alte persönliche Bestzeit zu schlagen. Du erinnerst dich an die Gespräche mit Gleichgesinnten, die alle irgendwie schneller Laufen können als du, die dich aber trotzdem verstehen und deine Leidenschaft teilen. Du erinnerst dich an den netten Nike-Mitarbeiter, der dir geholfen hat, neue Schuhe zu finden und an das Gefühl, zum ersten Mal darin zu laufen. Du erinnerst dich daran, wie es war, über die Ziellinie zu stolpern, etwas geschafft zu haben, dass du nur für dich selbst getan hast.

Das sind die Momente, in denen du realisierst, dass du das Laufen für nichts in der Welt wieder aufgeben möchtest.

Ein Appell.

“Wir sind das Volk” – Ein Satz, den man in letzter Zeit oft liest und hört, sei es in den Zeitungen, in Videos oder in Diskussionen mit Menschen verschiedenster Ansichten. Sie sind sich alle einig, sie sind das Volk, sie sind die Mehrheit und jeder, der etwas anderes behauptet, lügt.

Ich bin anderer Meinung (Große Überraschung, ich weiß.)
Aber so ist es nun mal in einer Demokratie, Menschen verschiedenster Ansichten müssen sich irgendwie einigen, diskutieren und sich miteinander austauschen.
Diese Diskussionen sind nicht immer sinnvoll und meistens kosten sie viel Zeit und Energie, Dinge, die viele Menschen in dieser Zeit nicht wirklich haben. Trotzdem ist es wichtig, sich einzusetzen, nicht einfach zu schweigen, weil es bequemer ist, weil man sich keine Feinde machen oder es sich mit dem Kollegen / Freund / Bekannten nicht verscherzen möchte. Aber wir können nicht mehr einfach still sitzen bleiben, während europäische Werte durch rechte Parolen mit Füßen getreten werden und unsere Gesellschaft, unsere Sprache mehr und mehr verroht und menschenverachtende Aussagen wieder salonfähig gemacht werden.

Es ist Zeit, aufzustehen. Sich einzusetzen für die Werte, die uns, die Deutschland und Europa ausmachen. Mitmenschlichkeit, Solidarität und unsere Fähigkeit, Kompromisse zu finden. Es ist Zeit, die Straßen nicht länger denen zu überlassen, die schreien “Wir sind das Volk”, denn das sind sie nicht.
Deutschland ist bunt, laut, vielfältig und nicht immer einer Meinung.

Wir nicht zulassen, dass eine Minderheit sich benimmt, als wäre sie die Mehrheit, dass eine kleine Gruppe von Menschen die gesellschaftliche Debatte bestimmt und alles anzweifelt, was nicht ihrem Weltbild entspricht. Es ist Zeit, aufzustehen.