Warum es den Feminismus immer noch geben muss und warum wir diese Bewegung nicht einfach zum “Humanismus” machen können & dürfen.

cn: sexuelle / körperliche Gewalt, TERFs

Diskutierst du mit anderen Menschen über Themen wie die Frauen*quote wirst du sehr bald gefragt, ob du eigentlich Feminist*in bist. Bejahst du diese Frage folgt darauf meist eine hitzige Diskussion darüber, ob wir Feminismus denn heutzutage eigentlich wirklich noch brauchen würden. Ob Frauen* nicht mittlerweile mehr Privilegien und Rechte hätten als Männer*, ob wir denn nicht schon lange gleichberechtigt sind.

Die Antwort darauf ist ganz klar: Nein, sind wir nicht. Ja, wir brauchen den Feminismus noch.

Aber was genau ist denn jetzt eigentlich „Der Feminismus“?

Es ist wichtig zu wissen, dass Feminist*in zu sein nicht nur bedeutet, sich für weiße cis hetero Frauen einzusetzen. Feminismus heute, im 21sten Jahrhundert, heißt, sich für Frauen*, das heißt sich für Transfrauen genauso wie für Cisfrauen und Enbies einzusetzen. Für schwarze Frauen*, für women* of color. Für homosexuelle Frauen* und für bisexuelle Frauen*. Für Frauen* die Karriere machen und keine Kinder wollen, für Frauen* die Karriere machen wollen und Kinder haben, für Frauen* die nicht arbeiten, weil sie sich völlig auf ihre Kinder konzentrieren möchten.

Ein Feminismus, der nicht alle Frauen* beinhaltet, ist kein echter Feminismus.

Als weiße cis Feministin ist es meine Aufgabe, mir meiner Privilegien bewusst zu sein, mich darüber aufzuklären und mich für all jene Frauen* einzusetzen, die diese Privilegien nicht haben. Dazu gehört auch, innerhalb der Bewegung in den Diskurs zu treten, wenn es um White Privilege geht, um rassistische Strukturen in Deutschland, davon, wie viel stärker nichtweiße Frauen* von Sexismus und Diskriminierung betroffen sind.

Intersektionale Feminist*in zu sein heißt, anzuerkennen, dass, auch wenn Frauen* als gesamte Gruppe Diskriminierung und Sexismus ausgesetzt sind, es kleinere Gruppen an Frauen* in der Bewegung gibt, die noch mehr Schutz und Aufmerksamkeit benötigen, als du selbst es vielleicht tust.

Aber wieso heißt es denn jetzt „Feminismus“ und nicht „Humanismus“? 

Das Prinzip des intersektionalen Feminismus, dem bewusst ist, welche Gruppierungen mehr Schutz und Stärkung benötigen, lässt sich direkt auf unsere gesamte Gesellschaft übertragen. Um vollkommene Gleichberechtigung und im Endeffekt auch Gleichstellung aller Geschlechter zu erreichen, ist es wichtig, dort anzusetzen, wo Handlungsbedarf besteht. Das heißt zum Einen dafür zu sorgen, dass es für gleiche Arbeit gleichen Lohn gibt und dass es Schutzräume für Frauen*, die Opfer sexueller Belästigung geworden sind, gibt. Das heißt aber zum Anderen auch, dass wir mithelfen, Frauen* in Führungspositionen zu bringen, dass Care-Arbeit nicht mehr größtenteils von Frauen* erledigt wird und dass typische „Frauenberufe“ wie Pfleger*in oder Kindergärtner*in besser bezahlt werden müssen – und auch Männer* aktiv dazu ermutigt werden, diese Berufe zu ergreifen.

Wir achten darauf, besonders gefährdete oder besonders benachteiligte Gruppen besonders unterstützen und stärken. Das heißt unter anderem, dass wir Transfrauen anerkennen und die Bewegung nicht durch Dispute darüber, ob sie echte Frauen (btw: Ja, sind sie) sind, spalten. 

Frauen*, egal ob sie cis sind oder nicht leiden unter patriarchalen Strukturen, wenn sie nicht cis sind sind sie zusätzlich dazu noch zahlreichen weiteren Repressalien ausgesetzt. 

Intersektionaler Feminismus heißt aber auch, dass wir Männern* die unter dem Patriarchat teils genauso leiden, den Rücken stärken. Dass wir versuchen, Geschlechterstereotypen aufzuweichen, dass wir versuchen, feminin-codierte Eigenschaften positiv zu bewerten und von ihrer Geschlechterrolle zu lösen um somit zu verhindern, dass Männer* beispielsweise dafür verurteilt werden, dass sie Gefühle zeigen.

Dennoch liegt unser Hauptaugenmerk noch immer auf der Stärkung von Frauen*. Warum? 

Es ist im Grunde ein recht einfaches Prinzip: Wir fangen dort an, wo es am schlimmsten ist. Frauen* leiden am stärksten unter dem Patriarchat. Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Diskriminierung bei der Jobsuche und der Bezahlung, ganz zu schweigen von den ohnehin schon ungleichen Startbedingungen, mit denen Kinder ins Leben starten.

Wir teilen unseren Nachwuchs schon von klein auf in die beiden Kategorien „mit Penis“ und „ohne Penis“ auf.

Basierend darauf ziehen wir ihnen unterschiedliche Farben an, kaufen unterschiedliches Spielzeug. Sagen „Du heulst wie ein Mädchen“ oder „Du bist doch kein Junge!“. Bringen den Kindern „ohne Penis“ bei, keinen Platz im öffentlichen Raum einzunehmen, immer mit überschlagenen Beinen zu sitzen, sich zu melden, höflich zu sein. Sagen „Es sind halt Jungs“ wenn sich wieder zwei Kinder „mit Penis“ prügeln oder schon im Kindergarten das „Nein“ nicht akzeptiert wird und Küsse „gestohlen“ – also aufgezwungen – werden.

Und dann, Jahre später wundern wir uns, wieso in Europa jedes dritte Mädchen* über 15 Jahren schon einmal Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt geworden ist. Warum Täter meistens Wiederholungstäter werden, warum Frauen* sich alleine im Dunkeln oft nicht sicher fühlen.

Rape Culture ist einer der wichtigsten Gründe, warum es Feminismus heißen muss und nicht Humanismus. „Aber ihr behauptet doch, ihr setzt euch für die Bedürfnisse aller Menschen ein?!“ Ja. Tun wir auch. Aber diese Bewegung in „Humanismus“ umzubenennen würde heißen, die speziellen Bedürfnisse von Frauen* zu ignorieren. 

Heterosexuelle Cismänner sind in unserer gesamten Gesellschaft das Zentrum der Wahrnehmung, der Prototyp des Menschen.

Eine Bewegung, die sich erstmals speziell auf die Bedürfnisse von Frauen* fokussiert, wirkt oftmals wie eine Bedrohung für diesen Typ Mann. Weil er es nicht gewöhnt ist, einmal nicht inkludiert zu werden. Er ist zwar Ursache und gleichzeitig Produkt des Patriarchats, tatsächlich geht es aber einfach nicht um ihn. Dieser Typ Mann muss sich seiner Privilegien bewusst werden und einsehen, dass immer dort angesetzt werden muss, wo die größte Notwendigkeit besteht. 

Den Feminismus zum Humanismus zu machen würde bedeuten, diesen Unterschied zwischen den Geschlechtern auszulöschen, und das nicht auf die positive Art und Weise. Er würde die Existenz von Sexismus und geschlechtsbasierter Diskriminierung einfach leugnen und wäre ein Schlag ins Gesicht aller Frauen*, die unter patriarchalen Strukturen leiden – also in das aller Frauen*.

Wie diskutiert man eigentlich über grundlegende Dinge wie die Menschenrechte?

Wer sind wir, was ist unsere kulturelle Identität? Wer sind wir Deutschen als Kulturnation? Aktuelle Fragen, die sich Thomas Mann schon damals in seinem sechshundert Seiten langem Essay “Betrachtungen eines Unpolitischen” stellte.

Vor allem jetzt hält die Frage nach unserer Kultur in allen Bereichen unseres Lebens Einzug. Vor allem beim Thema Immigration sind sich plötzlich alle einig: Unsere Deutsche Kultur muss erhalten werden und die, die hierher kommen, haben sich gefälligst anzupassen. Alles irgendwo okay, natürlich muss man die Kultur seines Gastlandes respektieren, aber trotzdem stellt sich mir immer die Frage, was unsere deutsche Kultur denn nun überhaupt ist.

Es ist unsere Sprache, mit Sicherheit, es sind aber (meiner Meinung nach) genauso unsere Wert- und Moralvorstellungen, die wir vor allem seit der Epoche der Aufklärung entwickelt haben. Unser Land hat eine christliche Vergangenheit, der Großteil der deutschen Bevölkerung ist auch heute noch Mitglied in einer Kirche, auch wenn der Glaube in den Leben der meisten Deutschen nur noch eine sehr kleine Rolle spielt. Trotzdem werden Parteien wie die AfD oder die CSU nicht müde zu betonen, dass das Christentum zur “Leitkultur” gehöre, seit neuestem hängen deswegen auch in allen bayerischen Behörden Kreuze. Dass ich, und mit mir eine ganze Menge anderer Atheisten, mich als Deutsche damit so überhaupt nicht identifizieren kann, ist anscheinend egal.

Ich war nie wirklich “stolz” darauf, Deutsche zu sein, schließlich ist das nichts, wofür ich arbeiten musste, nicht etwas, das ich selbst erreichen musste. Mittlerweile bin ich aber sehr wohl stolz darauf, welche Werte die meisten Menschen in Deutschland vertreten, und welche großartige Leistung wir im Jahr 2015 während der Flüchtlingskrise vollbracht haben. Ein Beispiel dafür sind die Münchner, die Flüchtlinge am Bahnhof willkommen geheißen haben und die unzähligen ehrenamtlichen HelferInnen. Weil Deutschland bunt ist, voller Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Ich war so stolz darauf, was unsere Bevölkerung geleistet hat, wie wir damit umgegangen sind, trotz all der Probleme, die sich aufgetan haben und an deren Lösung wir noch immer arbeiten. Ich bin noch immer stolz auf die Akzeptanz und Toleranz unserer Gesellschaft, während sich in mir gleichzeitig eine tiefe Fassungslosigkeit gegenüber dem, was sich mit der AfD in unserer Bevölkerung breit gemacht hat, ausgebreitet hat.

Fremdenfeindlichkeit und Begriffe wie die einer “Deutschen Rasse” sowie die absurde Behauptung eines “Deutschen Genozides” sind plötzlich in der Bevölkerung akzeptiert, Begriffe wie “Asyltourismus” oder “Kopftuchmädchen und alimentierte Messermänner” sind dabei, wieder salonfähig zu werden. Die Relativierung des Holocausts ist plötzlich auch kein großer Schock mehr, zu abgestumpft sind wir mittlerweile der rechtsradikalen Rhetorik gegenüber.

Als politischer Mensch ist es fast nicht auszuhalten, die Forderungen der CSU zu verfolgen und zu bemerken, was sich dabei unmittelbar in den Köpfen der Bevölkerung verändert. Denn das Gerede der PolitikerInnen löst in den Menschen den “Das wird man ja wohl noch sagen dürfen”-Reflex und das Gefühl der Rechtfertigung rechten Gedankenguts aus. Auf einmal kann man wieder von “Biodeutschen” reden und während der Großteil der Bevölkerung deswegen vor Verzweiflung gegen eine Wand rennen möchte, bekommt der/die dementsprechende KommentarschreiberIn auch noch Unterstützung für seinen/ihren Mut. Selbsternannte PatriotInnen kämpfen gegen die “Islamisierung des Abendlandes”, während rassistische und menschenverachtende Rhetorik immer akzeptierter wird.

Die Lehre einer “Weißen Rasse” und dem “Weißen Genozid” wird unkommentiert verbreitet und als normaler Mensch weiß man in solchen Diskussionen meist einfach nicht mehr, was man sagen soll.

Denn wie diskutiert man über so grundlegende Dinge wie die Frage, ob man einem Teil der Menschheit die Menschenwürde und ihr Recht auf Leben nicht einfach aberkennen könne? Denn das ist die unweigerliche Folge davon, Flüchtlinge abzuweisen oder sie in ihre Heimatländer wie beispielsweise Afghanistan zurückzubringen. Afghanistan ist kein sicheres Land und es ist unmenschlich, jemanden dorthin abzuschieben.

Um auf unsere deutsche Kultur zurückzukommen: In unserer Vergangenheit findet man viele bedeutende KünstlerInnen, Goethe und Schiller sind hier nur zwei der bekanntesten, aber auch bedeutende WissenschaftlerInnen wie Einstein oder in der aktuelleren Geschichte Christiane Nüsslein-Volhard (Nobelpreisträgerin). Diese Vergangenheit, die ein großer Teil unserer Kultur ist, kann uns auch heute niemand mehr wegnehmen. Viele Medien sprechen heutzutage von der Angst davor, unsere “Deutsche Kultur” zu verlieren und im Zuge davon wird gerne behauptet, Deutschland wäre innerhalb von 50 Jahren “minderheitlich deutsch”, wobei hier von “biologischen Deutschen” gesprochen wird. Abgesehen davon, dass diese Behauptung vollkommen unrealistisch ist und es keine “Deutsche Rasse” gibt, braucht Deutschland pro Jahr mindestens 267.000 bis zu einer halben Million Einwander jährlich um nicht zu Schrumpfen. Denn ein Rückgang der Bevölkerungszahl bei gleichzeitiger Erhörung der Lebensdauer könnte zu einem riesigen Problem führen.
Kultur ist immer im Wandel, sie bleibt nie gleich. Man muss sich nur die allgemeinen Wertvorstellungen vor und nach der Aufklärung ansehen, um zu verstehen, wie schnell sich manche Dinge ändern können – und das nicht unbedingt zum schlechteren.

Ist es denn gerechtfertigt, aus Angst vor Veränderung Menschen das Recht auf Leben, und zwar ein Leben ohne Angst, abzusprechen? Ist es denn in Ordnung, Menschen einen höheren Lebensstandard abzusprechen, weil sie leider auf der anderen Seite des Mittelmeeres geboren sind? Ist es okay, dabei zuzusehen, wie Menschen ertrinken, weil man sie nicht retten möchte? Ist es okay, einem Schiff, das Flüchtlinge gerettet hat und nur für 48 Stunden genügend Nahrung hat, zu untersagen anzulegen? Widerspricht das nicht genau unseren Wertvorstellungen und dem urchristlichen Wert der Nächstenliebe?

Wann sind wir eigentlich an dem Punkt angekommen, an dem es okay ist, Menschenrechte zu missachten und zur Diskussion und damit gleichzeitig zur Disposition zu stellen?

 

 

Meister der Prokrastination

Der Mensch ist schon ein wundersames Wesen, er kann so viel gleichzeitig tun, das Gesamtbild betrachten, die Zukunft planen und sich an die Vergangenheit erinnern.

Wenn ein größeres Projekt ansteht sind wir dazu in der Lage, im Voraus zu planen, wann wir daran arbeiten werden, wie wir die Arbeitslast aufteilen und was die besten Strategien sind. Alles kein Problem also, selbst eine ganze Menge Arbeit wird so in kleine, machbare Portionen aufgeteilt.
Ja, alles kein Problem, wäre da nicht ein kleiner Teil in unserem Gehirn, der sich jedes einzelne Mal, wenn wir eigentlich mit der Arbeit beginnen wollen, der Aufgabe widmet, die sinnlosesten Informationen herauszukramen und mindestens eine Stunde über die verschiedensten Dinge zu sinnieren. Eine dieser interessanten Fragen ist zum Beispiel, ob man, wenn man in die Vergangenheit reist und seine eigene Geburt verhindert, nicht doch trotzdem geboren werden müsste, weil man, weil man ja dann nicht existiert, nicht verhindern kann, dass man geboren wird. Das ist nur eines der Dinge, über die ich nachdenke, wenn ich eigentlich an etwas anderem arbeiten sollte. Blogposts zum Beispiel, oder Hausaufgaben, meist jedoch, wenn ich mich auf eine Klausur vorbereiten sollte. Mein Gehirn ist ein Experte darin, sich solche Dinge auszudenken und sich fundamentalen Fragen des Mensch-Seins zu widmen und es läuft zu Höchstleistungen auf, wenn ich gerade beginnen will, zu arbeiten.

Der natürliche Arbeitsverlauf eines prokrastinierenden Menschens

Wir wissen alle, wie eine normale Arbeitslasts-Kurve aussehen sollte: Alles gleichmäßig verteilt, am Ende vielleicht ein bisschen mehr.
Bei Prokrastinierenden sieht das leider nicht ganz so hübsch gleichmäßig aus – eigentlich ist es überhaupt nicht gleichmäßig.

Ungefähr so sieht es bei mir jedes Mal aus, wenn ich irgendetwas abgeben muss. All die Wochen davor denke ich mir immer “Ach ich habe ja noch so viel Zeit, ich kann ja auch morgen noch anfangen. Alles kein Stress.” Der Punkt ist nur, dass ich mir das jeden einzelnen Tag denke und mich dann in den verschiedensten, eigentlich sinnlosen, Tätigkeiten verliere, die Zeit vorbeigeht und nichts passiert. Und dann, eines Tages, wacht in meinem Gehirn ein Panikmonster auf, das gerade realisiert hat, dass die Deadline in drei Tagen ist und ich mit meinem Essay noch nicht einmal angefangen habe – das ist dann der Moment, in dem ich außer Essen und eventuell Schlafen nichts anderes mehr mache, als an dem aktuellen Projekt zu arbeiten.

Ohne diese Panik, die mich immer kurz vor Abgabeschluss ergreift, würde ich vermutlich nie etwas fertig bekommen – gut also, dass es das Panikmonster gibt.

Warum wir nicht einfach “dazulernen”

Es funktioniert einfach so gut. Eine meiner Freundinnen hat das Prokrastinieren perfektioniert und im Endeffekt mit einem Schnitt von 1,0 ihr Abitur gemacht. Ich glaube zwar nicht, dass das entspannend war sondern im Endeffekt ein riesiger Stress, aber naja – Es zählt ja doch irgendwie im Endeffekt nur das Ergebnis.

Außerdem: Warum sollte ich denn mehr Zeit als unbedingt notwendig mit Dingen verbringen, die mir keinen Spaß machen? Wenn ich alles bis zu letzten Minute aufschiebe, habe ich logischerweise auch weniger Zeit zur Verfügung, um mich damit auseinanderzusetzen. Meistens ist das, was dabei entsteht, auch nicht unbedingt von schlechter Qualität. Klar, es wäre vermutlich besser geworden, hätte ich mir drei Wochen anstatt von drei Tagen dafür Zeit genommen, aber der Wikipedia-Eintrag über Schwarze Löcher war einfach interessanter. Außerdem hatte ich zu diesem Zeitpunkt ja noch genügend Zeit – so wie an all den Tagen danach.

Abgesehen davon hat niemand so ein großes Allgemeinwissen, wie prokrastinierende Menschen, denn wer sonst wüsste sonst schon etwas über Wirbelstrombremsen?

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

MerkenMerken

Generation Alkohol

„Generation Alkohol“ ist nur einer der vielen netten Spitznamen, den ältere Generationen für uns gefunden haben, um uns während unserem Heranwachsen in eine Schublade nach der anderen zu stecken. Jetzt sind wir älter und zumindest in meinem Fall (beinahe) erwachsen und müssen uns häufig gegen diese Vorurteile verteidigen, aber sobald man das eine erfolgreich abgewehrt hat kriecht schon das nächste aus seiner Höhle. Wer auch immer sich die ganzen netten Bezeichnungen für die Menschen, die um das Jahr 2000 geboren sind, ausgedacht hat, hatte leider nicht gänzlich unrecht.

Meine Generation trinkt zu viel und zu oft, auch wenn die Statistiken rückläufige Zahlen anzeigen. Es trinken zwar noch immer weniger Jugendliche als früher, jedoch fangen sie schon früher damit an und trinken häufiger. In der kleinen Stadt in Bayern, in der ich momentan mein letztes Jahr bis zum Abitur verbringe ist es fast schon Tradition, dass Jugendliche sich auf Volksfesten regelmäßig bis zur Besinnungslosigkeit zulaufen lassen. Es ist also an der Zeit nach Lösungen zu suchen und diese dann auch umzusetzen. Bier und Wein kann man zwar erst ab 16 kaufen, dennoch trinken die meisten Jugendlichen bevor sie es rechtlich dürfen. Strengere Kontrollen könnten zumindest dafür sorgen, dass nicht mehr jede findige Fünzehnjährige an einen Kasten Bier oder eine Flasche Vodka gelangen kann. Dass Jugendliche auch unter 16 fast überall quasi ohne Probleme an Bier (und teilweise auch Schnaps) gelangen können ist etwas, das wir nicht weiter tolerieren können.

Für ältere Generationen sind wir als die Generation bekannt, die nichts alleine auf die Reihe und Stresssituationen nicht mehr alleine in den Griff bekommt und die eben deswegen öfters zur Flasche greift und leider gleichzeitig auch tiefer ins Glas schaut. Peinlich ist das bei uns niemandem, Sätze wie „Letztes Wochenende war ich so zu, das hättest du mal erleben sollen!“ oder „Ach nur drei Bier? Das ist ja gar nichts, ich hatte am Freitag fünf und drei Stamperl!“ hört man nach fast jedem Wochenende. Immerhin, nach den letzten fünf Jahrgängen ist Facebook bei uns wieder abgemeldet, die peinlichen Bilder von Schnapsleichen findet man meist nur noch auf Snapchat, wo man sie nach 24 Stunden sowieso nicht mehr sehen kann.

Und warum sollte man denn in meinem Alter nicht trinken? Es ist doch ganz normal, beim Essen mit Freunden ein Bier zu trinken und sich abends gemeinsam in einer Bar zu treffen. Auch Grillen am Fluss ist ohne ein Bier, Despo (eigentlich: Desperados; Biermixgetränk mit Tequila) oder eventuell Vodka Bull kaum vorstellbar. Auch ich will kein Spielverderber sein und deswegen trinke ich oft mit meinen Freunden gemeinsam, denn wenn du mal einen Abend nüchtern bleiben willst, kassierst du mindestens einen schiefen Blick, meistens wirst du auch noch mehr oder weniger scherzhaft als „Langweiler“ bezeichnet. 

Alkohol ist die Droge unserer Gesellschaft und es wird fast nichts dagegen unternommen, die schädlichen Auswirkungen dürften, zumindest unterbewusst, jedem bekannt sein. Trotzdem trinken die Menschen gerade in meiner Generation gefühlt 5 Liter Bier in der Woche, oder eben vergleichbar viel Hochprozentiges – was übrigens gar nicht so teuer ist wie man glaubt.

Warum wir trinken? Also zumindest hier, in einer Kleinstadt mit keinerlei Möglichkeiten für die Jugend haben wir einfach keine anderen Optionen, wie wir unsere Freitag- und Samstagabende sonst verbringen sollten. Wo sonst sollte sich der ganze Jahrgang treffen, miteinander Spaß haben, wenn nicht in dem Club, den es bei uns schon seit 1982 gibt? Man könnte also schon fast behaupten, der hohe Alkoholkonsum entspringt einer Art Alternativlosigkeit und gleichzeitig auch einer Art des Auflehnens gegen das System, welches uns Tag für Tag dazu zwingt, in einem Stuhl zu sitzen und stur auswendig zu lernen, was der Lehrer an die Tafel schreibt. Die Nachmittage verbringen wir gezwungenermaßen mit Hausaufgaben und Lernen für den nächsten Kurztest, die nächste Ex, Klausur oder Ausfrage. „Wenn du nicht mithalten kannst, kannst du ja auf die Realschule gehen“ ist einer der Sätze, die wir fast jedes Jahr zu Ohren bekommen. Nur für uns gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, alles was wir haben, wenn wir jetzt abgehen, ist ein in den meisten Fällen eher mittelmäßiger Hauptschulabschluss. Und aus genau diesem Grund feiern wir an den Freitagabenden und übertreiben es so viel zu oft, weil wir ja keine andere Möglichkeit dazu haben. Frustsaufen ist fast schon akzeptiert bei uns, wenn jemand nicht gut drauf ist, Liebeskummer oder sonstige Probleme hat, wird er als erstes am nächsten Freitag mit zum Saufen geschleppt, einfach mal „den Kopf frei kriegen und ’n bissl Spaß haben“ – vollkommen egal ob diese Person dann schon um zehn Uhr nicht mehr von dem Eimer loskommt, der ihr neuer bester Freund geworden ist. Anstatt unsere Probleme zu lösen ertränken wir sie in der nächsten Flasche, die wir in die Finger bekommen können.

immer wieder schockverliebt

immer wieder schockverliebt, das bin ich, wenn ich dich sehe,
du bist neu, aufregend, irgendwie gutaussehend, musikalisch, belesen?
die Zahnrädchen in meinem Kopf bewegen sich, irgendwas schnappt ein
und mein limbisches System, genauer gesagt mein Amygdala – auch Mandelkern genannt was übrigens ein ganz schön unromantischer Name für so etwas gefühlvolles ist –
schreit so richtig schön laut:
ohmeingott, potentieller Traumtyp oder Traumfrau,
mir egal, dass ich dich eigentlich nicht kenne,
du vielleicht die AfD wählst und Feministen „übertrieben“ findest,
alles egal, kann man alles ändern, du bist jetzt hier da, ich find dich toll, du mich doch auch oder etwa nicht, bin ich etwa nicht gut genug, zu jung, zu alt, zu hässlich, zu besserwisserisch, zu wasweißichwas, ich bin doch perfekt für dich oder nicht?
ja, so ungefähr sieht es immer und immer wieder in meinem Kopf aus, wenn ich mich immer und immer wieder
schockverliebe
in dich oder dich oder dich, es geht eigentlich nicht unbedingt um die Person an sich,
mehr um das Gefühl, das so toll berauschend ist und während man in diesem Rausch gefangen ist sieht man die nächste Wand nicht und rennt voll in sie hinein,
aber auch das spürt man nicht so richtig,
die rosarote Watte hat den Zusammenstoß schließlich gedämpft,
wenn auch nur ein bisschen
sodass man mit Anlauf direkt in die nächste laufen kann.

Es ist genug, man selbst zu sein

Wenn man Social Media, vor allem Instagram, öffnet verblasst das eigene Leben und an dessen Stelle tritt scheinbare Perfektion. Durchtrainierte Frauen und Männer, perfekte Haare und wunderschönes Makeup, traumhafte Locations in der Karibik, gesunde oder zumindest perfekt angerichtete Mahlzeiten. Alles muss perfekt sein, das Licht, das Outfit, das Essen, das Gesamtbild deines Feeds.

Für eine lange Zeit habe ich keine Bilder von mir selbst auf Instagram gepostet, einfach weil ich keine Fotos hatte, die mit dieser scheinbaren Perfektion Schritt halten konnten. Auch meine Freundinnen und Bekannte hatten ihr perfekt wirkendes Leben auf Instagram dokumentiert, die gefühlt einzige Ausnahme war ich selbst.

Gestern war ein anstrengender, aber wahnsinnig wichtiger Tag für mich. Meine beste Freundin und ich sind mit meiner Kamera losgezogen, mit dem Ziel, Fotos zu machen. Es ist nicht einmal so, als würde ich mich vor einer Kamera unwohl fühlen, auch wenn ich das immer gerne behaupte. Der Punkt war eigentlich immer, dass ich dachte, man könne von mir keine schönen Fotos machen. Weil ich nicht diese langen Haare habe, die im Licht so schön aussehen, weil mein Gesicht nicht so symmetrisch ist, wie das von allen anderen ach so perfekten Menschen in meiner Umgebung. Früher habe ich es gehasst, fotografiert zu werden, sobald irgendwo eine Kamera aufgetaucht ist, habe ich mir die Hände vor mein Gesicht gehalten, um ja kein Bild zuzulassen.

Gestern war das anders, meine beste Freundin hat einige wirklich schöne Bilder von mir gemacht und als ich das erste davon gesehen habe, war ich ein wenig fassungslos. “Ich wusste nicht, dass ich so hübsch aussehen kann” war die erste Reaktion.

Ich frage mich, ob ich damit alleine bin, aber ich bezweifle es um ehrlich zu sein. Es gibt so viele Menschen wie mich da draußen, die nicht das Gefühl haben, “hübsch” zu sein. Klar, innere Werte zählen, Äußerlichkeiten sind unwichtig, aber was wichtig ist, ist Selbstbewusstsein. Und wenn man sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, dann leidet man darunter. Wenn man das ganze aber anspricht, dann wird einem meist sofort vorgeworfen, dass man nur Komplimente bekommen möchte. Es gibt sicher solche Menschen, doch die meisten sagen nur ihre ehrliche Meinung.

Ich war immer der Meinung, dass ich einfach durchschnittlich war, nicht besonders hübsch, nicht besonders hässlich, einfach normal. In den letzten Jahren habe ich mehr oder weniger sanft gelernt, dass jeder auf seine eigene Art schön ist, und dass man lernen sollte, sich selbst zu lieben. Deswegen auch das Experiment mit den Fotos, das so viel besser gelaufen ist, als erwartet. Ich bin sehr froh, dass ich das geschafft habe, und es fühlt sich toll an, diese Überwindung aufgebracht zu haben. Denn ich weiß jetzt, dass es meistens genug ist, man selbst zu sein.

Eine Stimme, die gehört werden will

Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich den Menschen aus meinem Leben nicht oft erzählt, dass ich einen Blog habe. Wenn Freunde Bescheid wussten, wussten sie auch, dass sie es nicht anderen Leuten weitererzählen sollten. Nicht unbedingt, weil ich mich dafür geschämt habe, eigentlich eher, weil ich keine Lust auf deren Reaktionen hatte. Und weil ich mich nicht mit ihnen auseinandersetzen wollte.

Als ich vor circa zwei Wochen mit einer Freundin über meinen Blog geredet habe, saß jemand anderes neben uns und fragte dann voller Verachtung: “Du hast einen Blog? Warum das denn?!” Die Frage hat mich, um ehrlich zu sein, ein wenig aus dem Konzept gebracht.

Meine spontane Antwort war: “Warum nicht?” aber auch das, war nicht unbedingt die richtige. Ich habe meinen Blog, weil ich möchte, dass meine Stimme gehört wird. Als ich begonnen habe zu bloggen, habe ich über Umweltschutz, Vegetarismus und Politik gebloggt, weil ich (zugegeben ziemlich naiv) der Meinung war, ich könnte die Welt verändern. Mittlerweile sehe ich das Ganze ein wenig realistischer, bin nun doch schon ein paar Jahre älter und möchte eigentlich nur noch Aufmerksamkeit auf (für mich) wichtige Themen lenken und meine Meinung dazu teilen. Warum das? Weil ich hoffe, damit einen Einfluss auf Menschen zu haben, und sei er auch noch so klein.

Gleichzeitig habe ich begonnen selbst zu schreiben, meist eher kürzere Texte aber fast alle dienen für mich dem Zweck, Dinge zu verarbeiten, die in meinem Leben und in den Leben der Menschen um mich herum geschehen. Ich bin sehr viel besser darin, über negative Dinge zu schreiben, deswegen kann man hier auch keine fröhlichen Texte lesen (zumindest bis jetzt), weil ich andere Menschen damit berühren möchte und es für mich eine Möglichkeit ist, mich auszudrücken.

Gleichzeitig versuche ich hier so ehrlich wie möglich zu sein, mein Leben nicht zu beschönigen aber auch nicht unnötig schlecht zu reden. Ich möchte wie eine normale Person rüberkommen, jemand, mit dem man sich identifizieren kann. Durch meine Bisexualität habe ich auch eine eher selten vertretene Perspektive, und ich möchte, dass andere Kinder wie ich, so einen Blog finden können, und sich mit dem Menschen darauf identifizieren können. Ich möchte, dass sie wissen, dass nicht immer alles gut ist, dass es Hochs und Tiefs gibt, aber dass man auf jeden Fall durchkommt. Und dass es okay ist, sich Hilfe zu holen, dass man nicht perfekt sein muss und dass Stärke nicht dadurch definiert wird, dass man immer stark ist, sondern dadurch, dass man auch nach Rückschlägen wieder aufsteht und weitermacht.

Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird und deswegen werde ich auch so lange ich es zeitlich irgendwie auf die Reihe bekomme weiter bloggen.
Schreiben ist eine meiner größten Leidenschaften und deswegen freue ich mich auch unglaublich über das überwältigende positive Feedback, das ich in der letzten Woche bekommen habe. Vielen vielen Dank, ihr seid die Besten und ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar, jede Nachricht auf Instagram und auf WhatsApp. Ihr seid die Motivation, die ich manchmal brauche, um nicht einfach aufzugeben. Danke.