Momentaufnahme

Menschen machten Menschengeräusche. Ein leises Gemurmel, klirrendes Geschirr, ein vereinzeltes Schlürfen. Tisch stand an Tisch gereiht, Menschen saßen vereinzelt dazwischen. Eingefügt in die Momentaufnahme des Lebens.
Krawatten wurden gerichtet, Hemdärmel zurückgeschlagen und Bücher geöffnet. Musik drang aus Kopfhörern, Studentenfinger huschten über Laptoptastaturen. Textmarker wurden über Buchseiten bewegt, Siebträger geleert und neu befüllt.
Auf der anderen Seite hoher Glasscheiben hasteten Menschen mit schwarzen Mänteln, hochgeschlagenen Krägen und tief in den Taschen vergrabenen Händen vorbei. Schwarz-grauer Asphalt, graue Gebäude, Nebelgrau. Tiefschwarze Pfützen in denen sich rote Autorücklichter spiegelten; Fahrradreifen störten die Spiegelung für einige Millisekunden, bevor erneut Ruhe einkehrte. Zumindest für einen kurzen Augenblick, bevor das schwache Licht der Ampel von Rot nach Grün wechselte und sie erneut in Wellen zerbersten sollte.
Es war kalt draußen, so kalt. Beinahe, als wäre die Sonne tagsüber nur ein Alibi gewesen, um den Schein des freundlichen Herbstes noch ein wenig zu wahren. Auch wenn es doch in Wahrheit schon lange Winter geworden war. 
Die grün glasierte Tontasse mit beiden Händen umfasst saß sie still. Um sie herum Menschen, die nicht müde wurden, zu betonen, wie beschäftigt sie waren. Gespräch verschwamm in Gespräch, Tassen leerten sich und wurden wieder befüllt.
Menschen bewegten sich durch den Raum, tanzten um- aber nicht miteinander. Leben berührten sich für einen kurzen Augenblick in diesem zu teuren Café in Mitte, in dem jeder mit sich selbst beschäftigt war. Unentschlossene standen vor der Glasvitrine, böse Blicke bohrten sich von hinten in ihren Rücken. Immer in Eile, immer auf dem Weg und nie am Ziel.

Du bist einfach weg.

Du bist einfach weg.
Weg, als hätt‘s dich nie gegeben,
statt dir ist da dieses Loch und die Welt,
die dreht sich einfach so immer weiter, 
auch wenn doch alles stehen blieb.

Ich weiß nicht wo du bist und ob du überhaupt noch irgendwo, irgendwie bist, aber ich will es glauben, muss es glauben.

Und mein Handy warnt mich „Bei längerem Hören auf dieser Lautstärke kann es zu einer Verschlechterung der Hörqualität kommen.“
Aber es ist nicht laut genug,
ich will, dass die Musik alles durchdringt, ich alles vergesse, alles verschwindet,
dass der Takt, der Bass, die Melodie, dass das alles ist was bleibt, weil alles andere zu viel wäre.

Du warst ein Wortakrobat, ein Künstler, ein Maler, du hauchtest Dingen Leben ein und nun nicht mehr.

Ich hab dich gekannt und irgendwie auch nicht, nur die letzten 18 Jahre deines, die doch alle 18 Jahre meines Lebens waren.

Lass die anderen sich verändern und bleib so wie du bist.

Aber du bist nicht du geblieben.
Vielleicht warst du immer du.

Vielleicht habe ich es nur einfach nicht gesehen.

Wortakrobat

Schwarz auf weiß, sie wispern, flüstern, verlaufen,
tanzen durcheinander, er auf ihnen, sie haben keine Macht über ihn aber er über sie.
Sie bilden goldene Brücken für ihn, er vergoldet sie, findet immer die richtigen, nie die falschen, weiß immer wo sie zu finden sind und verirrt sich nie in diesem
Labyrinth der Worte, das Tag für Tag größer wird, doch er,
er ist ein Wortflüsterer, Wortkünstler, ein
Wortakrobat.

Von Gefühlen und Worten

Ich, ich bin irgendwie nicht ich sondern nur
eine Sammlung an
Gefühlen und Worten und
der Summe aus Erinnerungen und
den Menschen die ich kenne und
die Entscheidungen die ich getroffen habe und
noch viel wichtiger, die, die ich nicht getroffen habe aber
wer
bin ich denn dann überhaupt, bin ich
ein Mensch
oder ein Gefäß
angefüllt mit
Gefühlen und Worten und
was unterscheidet mich denn dann
von dir?

dieses Loch

Jedes Mal, wenn du mit mir
redest, hoffe ich aller meiner Erfahrungen zum trotz,
dass du mich
endlich
einmal verstehst.

Wahrscheinlich sollte ich, die
Hoffnung
endlich einmal
aufgeben,
aber ich will diese
Vorstellung von
dir und mir nicht
aufgeben, denn dann
würde ich mir eingestehen müssen,
dass wir
zerbrochen
sind.

Wenn ich mit dir
streite, mit dir
rede, dir zuhöre,
dann bin ich da für dich
und du irgendwo
anders und alles
was ich bekomme ist dieses
leere Gefühl, wo sich eigentlich Zuneigung
befinden sollte und alles was ich kann ist
festhalten, denn sonst
wird dieses Loch vielleicht immer
größer,
wächst unaufhaltsam,
bis nichts
mehr von mir über ist
als diese Leere die
zu meiner
Existenz geworden ist.

 

irgendwann Berlin

hier, da wo ich wohne,
in diesem Kaff mit 18.000 Seelen,
das eigentlich zu groß ist, um es Kaff zu nennen,
hier wohne ich und träume.

ich träume von Dingen die niemals passiern,
von Dingen die niemals gewesen
und von Dingen, die hoffentlich irgendwann einmal doch geschehn.
so wie
hoffentlich, irgendwann, Berlin.

hier, kennt fast jeder jeden,
vielleicht auch nicht, aber eigentlich schon,
getratscht wird über alles, was anders ist
Clubs gibt es nicht, nur den einen und der
ist auch schon fast wieder zu weit weg,
die Tage verbringen wir in Cafés oder der FuZo,
die eigentlich niemand so nennt und trotzdem so heißt,
eigentlich sind alle hier zufrieden,
wollen nicht weg und ich
bin einsam in meinen Gedanken und
in dieser Stadt, in der niemand je allein ist,
weil doch alle, immer, überall da sind.

Berlin, Berlin klingt nach Heimat,
nach zu-hause-sein, nach
Gleichgesinnten, nach ich-sein
nach Ankommen, nach Leben, nach Spontanität,
nach Freiheit,
und doch bin ich nicht dort,
sondern hier und alles was mir bleibt
ist zu träumen und zu sagen
“hoffentlich, irgendwann, Berlin”

 

You tasted like
the poetry
I wish I could write.

– a thought

 

 

Du

Du
brichst Herzen
 – mein Herz
flickst es
 – reißt es auf
erweckst Hoffnung
– erstickst sie wieder
verlässt mein Leben
 – schleichst dich wieder hinein
bist glücklich
 – lässt mich nicht glücklich sein
bist hier
– und gehst

Laute Erinnerungen

Musik, laute Musik.

Mein Handy warnt mich “Bei längerem Hören auf dieser Lautstärke kann es zu einer Verschlechterung der Hörfähigkeit kommen.” und ich füge der Leiste noch zwei weitere weiße Quadrate hinzu.
Ich kann und will nicht mehr
hören.

Nicht von der Außenwelt, nicht von meinen eigenen Gedanken die ich in meinem Kopf nicht mehr kontrollieren kann.

Erinnerungen steigen auf, erst verschwommen, je schärfer ihre Konturen werden, desto tiefer schneiden sie in mein Herz. Was ich habe verblasst, während alles was ich nicht mehr habe an Deutlichkeit gewinnt.
Stimmengewirr, Streit, Gelächter. Schluchzen

Zuerst all das positive, gestohlene Momente des Glücks in einer Zeit voller Streit. Danach  Streit. Stille. Das Ende. Die Lücke danach.

Wenn ich einen “Mute”-Knopf für meine Gedanken hätte würde ich ihn ohne zu zögern drücken, um dem Ganzen ein Ende zu setzen. Es steigt ein Gedanke in mir auf, den ich schon lange nicht mehr hatte, den ich besiegt glaubte. Doch wie besiegt man sich selbst? Wie besiegt man das schwarze Monster dass an deiner Seele nagt, sobald du eine Sekunde nicht aufpasst?