Es lohnt sich, nicht aufzugeben

Ich weiß ich weiß, es ist so viel einfacher, einfach aufzugeben, einfach im Bett liegen zu bleiben anstatt wirklich das zu tun, was man ursprünglich einmal wollte.

Noch einfacher als aufzugeben ist es allerdings, gar nicht erst anzufangen, weil man sowieso davon überzeugt ist, dass man es gar nicht schaffen kann, selbst wenn man es noch so sehr versuchen würde. Diese Einstellung ist das, was uns von unseren Träumen trennt, was sie dazu verdammt, auf ewig ein Traum zu bleiben, anstatt zur Realität zu werden.

Vor circa 6 Monaten, genauer gesagt im April, habe ich wieder begonnen zu Laufen, ursprünglich deshalb, weil mein Arzt mir das zur Migränevorbeugung so verordnet hatte. Und ungefähr zu diesem Zeitpunkt habe ich festgestellt, dass ich im Laufen eigentlich gar nicht so schlecht bin…. und dann habe ich mir ein Ziel gesetzt: Einen Halbmarathon zu laufen.

Gesagt, angemeldet und dann realisiert, was ich mir da eigentlich vorgenommen hatte. Was auf mich zu kam war eine lange Trainingsphase, da es von 3km leider noch ein langer Weg bis zu den 21km war. Während dieser Trainingsphase war ich so oft so kurz davor, einfach hinzuschmeißen, einfach aufzugeben. Morgens um 5.00 Uhr aufzustehen, um Laufen zu gehen, ein Treffen mit Freunden ausfallen lassen, um Laufen zu gehen, nicht mehr wegzugehen – und wenn doch, dann nüchtern zu bleiben – um am nächsten Tag Laufen zu gehen.

Komische Blicke von anderen kassieren, weil man Dinge ablehnt, manche Sachen nicht mehr isst, plötzlich Proteinshakes in der Schule dabeihat oder die Schokolade ablehnt, um dann seine Haferflocken zu essen – Mittlerweile komplett normal.

Und jetzt, zwei Wochen nachdem ich das erste Rennen meines Lebens gelaufen bin, fühlt es sich plötzlich verdammt seltsam an, kein festes Ziel mehr vor Augen zu haben. Da fragt man sich dann im Nachhinein, wofür man das Ganze jetzt eigentlich gemacht hat.

Und dann, dann erinnert man sich an das erste Mal in der Sportumkleide zurück, als dich jemand neidisch ansah und dann anmerkte dass man das ja “krass sieht, dass du jetzt so viel Sport machst.” Du erinnerst dich an das Gefühl, wie es war, diese Distanz zum ersten Mal geschafft zu haben, seine alte persönliche Bestzeit zu schlagen. Du erinnerst dich an die Gespräche mit Gleichgesinnten, die alle irgendwie schneller Laufen können als du, die dich aber trotzdem verstehen und deine Leidenschaft teilen. Du erinnerst dich an den netten Nike-Mitarbeiter, der dir geholfen hat, neue Schuhe zu finden und an das Gefühl, zum ersten Mal darin zu laufen. Du erinnerst dich daran, wie es war, über die Ziellinie zu stolpern, etwas geschafft zu haben, dass du nur für dich selbst getan hast.

Das sind die Momente, in denen du realisierst, dass du das Laufen für nichts in der Welt wieder aufgeben möchtest.

Fortschritte

Seit einer etwas längeren Zeit, die sich für mich wie eine halbe Ewigkeit angefühlt hat, habe ich damit gekämpft, die Distanz von 10km zu bewältigen..

Gestern habe ich es endlich geschafft, und dieses Mal nicht mit dem Gefühl, danach zusammenzubrechen, sondern noch mit so viel Motivation, dass ich noch 6km daraufgesetzt und im Endeffekt eine Distanz von 16km in ein bisschen mehr als einer Stunde und 50 Minuten zurückgelegt habe – Für mich ein riesiger Erfolg.

Was mich deprimiert hat ist, dass mein Laufpartner (der normalerweise nur um die 4,5km läuft) ohne Probleme mit mir mithalten konnte und auch im Endeffekt an diesem Tag 14km gelaufen ist. Das fühlte sich im ersten Moment einfach nur unfair an aber die Freude über mein eigenes erreichtes Ziel überwog am Ende dann doch. Es wäre vermutlich auch nur halb so schön gewesen, wenn ich nicht so sehr dafür kämpfen hätte müssen.

Ich sehe zwar nicht immer so motiviert aus, aber ich gebe mir Mühe.

Zum ersten Mal habe ich wirklich das Gefühl, ich könnte den Halbmarathon wirklich schaffen. Nicht, weil ich irgendwie Glück mit meiner Genetik und meinem Körperbau hatte, sondern weil ich dafür kämpfen werde und mir gestern gezeigt hat, dass ich meine Ziele auch tatsächlich erreichen kann.

Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich laufe. Weil es nur von mir selbst und meinem eigenen Willen abhängig ist, ob ich es schaffen werde oder nicht.